Kunstvoll

In der Vorlesung hält der Professor ein im wahrsten Sinne des Wortes flammendes Plädoyer für die Freiheit der Kunst und fackelt Wahlplakate ab. Ein Künstler wähle nicht. Die Kunst wird zum Heilsbringer hochstilisiert, sie soll nicht dienstbar sein. So so, denke ich, und mir fällt mein letzter Rundgang durch das Landesmuseum ein. Dort beginnt man mit sakraler Kunst, Gemälden, Skulpturen, Stickereien. Kunst, die sich ganz zweifelsfrei in den Dienst einer Sache gestellt hat. Ist das dann noch wahre Kunst? Ist eine Madonna mit Kind künstlerisch mehr oder weniger wertvoll als die berühmte Fettecke? KINO-UPDATE. Um den Auftrag des Künstlers und um seine Entwicklung geht es in Werk ohne Autor.

Mit meiner Begleitung habe ich ein privates Wertungssystem für Filme eingeführt. Weil ich nämlich, leider leider bei Filmen etwas verpasse. Es ist halt dunkel, warm und abends, da schlafe ich schon mal ein. Oft nur ganz kurz, manchmal auch länger. Bis zu drei Schlafaugen werden vergeben. Spitzenreiter ist der uralte Action – Unfall Battleship, der mit höllischer Lautstärke auf uns einprasselte. Nach nur 10 Minuten war ich im Tiefschlaf.

Am Sonntag hatte ich viel am Schreibtisch gearbeitet und war beim Sport gewesen. Der Film dauert 189 Minuten. Schlafaugen? Kein einziges! Die Geschichte, die Figuren hatten mich gepackt. Die Fremdschäm- Führung durch die Ausstellung „Entartete Kunst“, das Bomben-Inferno über Dresden, die Kunstschule im sozialistischen Realismus, eine pathologische Vater – Tochter – Beziehung, alles sehr fesselnd. Dabei gibt es an dem Film eine Menge auszusetzen. Es ist ein Film über den Chauvinismus in der Politik und in der Kunst, gedreht aber von einem Mann, der sich davon nicht freisprechen kann. Zu viele zu schöne nackige Menschen, besonders junge Frauen, tummeln sich unnötig auf der Leinwand. Auch das seichte Ende kann nicht überzeugen. An Das Leben der Anderen kann der bemühte Regisseur, der sich Biographien von Beuys und Richter zum Vorbild nahm, nicht heranreichen. So bleibt Werk ohne Autor sicherlich ein Film ohne Oskar. Trotzdem sehenswert!

2 Kommentare

  1. Dein Bewertungssystem „Schlafaugen“ gefällt mir gut. Ähnlich wie du bei „Battleship“ schlafe ich bei Autoverfolgungen ein. Filme über Künstler finde ich hingegen immer spannend. Ich habe gelesen, dass Gerhard Richter den Film zu reißerisch fand. Er hat aber nur den Trailer gesehen.
    Kannst du seine Ansicht bestätigen?

    Gefällt 1 Person

    1. Einen Teil des eigenen Lebens auf die Kinoleinwand gebannt zu sehen, kommt einem möglicherweise reißerisch vor. Da Kinder und Jugendliche zudem hart im Nehmen sind, findet er im Nachhinein vielleicht, dass hier ein Zuviel an bildgewaltigen Emotionen geboten wurde. Angesichts dessen, was im zweiten Weltkrieg und dann in der DDR insgesamt so geschehen ist, finde ich die Darstellung absolut angemessen für die Zielrichtung des Filmes. Es ist ja keine Doku über Gerhard Richter.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s