Auf den Hund gekommen

Mein Verhältnis zu Hunden ist – sagen wir mal – wohlwollend distanziert. Es hat sich im Laufe der Jahre verschlechtert, obwohl ich selbst Jahrzehnte keine negativen Erfahrungen gemacht habe. Als Kind bin ich häufig einem verlausten, heruntergekommenen Collie begegnet, dessen Verwandtschaft mit Lassie nur noch mit viel Phantasie vorstellbar war. Diesen Straßenhund habe ich sogar gestreichelt, heute würde ich mich nicht einmal mehr trauen, an ihm vorbei zu gehen. Soviel zur Einstimmung auf Dogman. KINO-UPDATE. Marcello ist sehr schmächtig, sogar für einen Italiener. Er ist einer der harmlosen Menschen auf dieser Welt, die niemandem etwas zu leide tun. Seine kärgliche Existenz sichert er mit einem Beruf, den er mit voller Hingabe ausübt. Er ist Hundefriseur. Seine ganze Liebe aber gehört seiner etwa 9-jährigen Tochter, die er durch einen wohl auch für ihn selbst unerklärlichen Glücksfall zustande gebracht hat. Hin und wieder gehen die beiden tauchen, die Tochter findet aber das mare nostrum nicht mehr so reizvoll. Malediven – das wäre was. Zwischendurch bekommt man einen Einblick in die dunkle Seite Marcellos. Er ist knapp bei Kasse, daher braucht er seinen Nebenerwerb als Koksdealer. Das hat die unglücklich enge Verbindung zu dem brutalen Unsympath Simone hergestellt, dem man als Zuschauer schon von der ersten Minute an dringlich ein baldiges Dahinscheiden wünscht. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Auch wenn Simone das Filmende nicht lebend erreicht, hätte man sich den Verlauf der Geschichte anders gewünscht. Ein Rütli-Schwur im Kleinformat, gemeinsam gegen den Stadtviertel – Tyrannen. Aber nein, jeder bleibt für sich, das schwächste Glied der Kette ist Marcello. Ein zuerst noch komischer, aber dann zunehmend trauriger Film. Nix bella Italia, brutta Italia. Hässlich ist es wie vieles im Film. Die Natur, die Männer, die fürchterliche Peripherie Roms. Am Schluss bleiben dann für mich ausgerechnet die Hunde das Highlight, vom niedlichen weißen Zwerpudel bis zur prachtvollen Dänischen Dogge.

4 Kommentare

  1. Hunde werden nicht gerne von Fremden gestreichelt. Und schon gar nicht am Kopf. Das ist ein großes Missverständnis, was viele Erstbegegnungen unangenehm enden lässt. Wie bei allen Tieren, denen man so begegnet, und die Interesse und Sympathie bekunden, höchstens die Hand hinhalten, damit sie daran schnuppern können. Keine Angst, wenn sie kein Interesse haben, beißen sie nicht, sondern wenden sich einfach ab. Aber wer zu direkt einem Hund im oder vor dem Gesicht rumwedelt, hat schnell mal die Zähne in der Haut. Irgendwie verständlich….

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