Da capo

Wiederholung und Übung sind die Basis für Perfektion. Diese einfache und jedem einleuchtende Wahrheit wird nicht mehr in allen Lebensbereichen verfolgt. Im Schulsystem soll es neuerdings in vielen Fächern reichen, wenn ein Kind das Prinzip einer Sache begriffen hat. Weder dem Lernen von Inhalten (kann man ja googlen), noch dem mehrmaligen Durchführen z.B. bestimmter Sprachmuster (zu wenig Entertainment) wird eine hohe Bedeutung beigemessen, die Übungszeit minimiert. Das klappt überhaupt nicht, wenn man ein Instrument lernen oder andere motorisch anspruchsvolle Tätigkeiten beherrschen möchte. Wieso aber angenommen wird, das Gehirn verhalte sich grundsätzlich anders als Hände oder Füße, ist mir ein Rätsel. Es gilt: Wenn man etwas öfter macht, wird man darin besser – Ausnahmen zugestanden.

Im Zusammenhang mit Wiederholungen zwei Anmerkungen:

Zum einen habe ich erneut (nasowas) den Freitagstexter-Pokal zu vergeben, der nach einer Woche auf einem Fremdblog wieder zurück kam. Die eigentliche Gewinnerin wollte ihn nicht und so musste ich das arme Ding adoptieren. Wer jetzt glaubt, dieses sei die kühne Überleitung zum Film „Plötzlich Familie“ darf versichert sein: diesen Film werde ich nicht sehen! Statt dessen

Es gelten die gleichen einfachen Regeln wie beim letzten Mal:

Gesucht wird die witzigste Bildunterschrift.

Diese ist als Kommentar einzureichen bis Dienstag um Mitternacht.

Am Mittwoch wird der Neubesitzer des schmucken digitalen Pokals von der Jury begeistert beglückwünscht. Es darf auch eine Neubesitzerin sein:)

Diese Person veröffentlicht am Freitag ein neues Bild.

Also, was sagt ihr dazu??

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Wir waren bei Wiederholungen. Schon oft habe ich Überleitungen verfasst, die gerade entstehende habe ich mehrfach geändert, weil sie mir nicht gefiel. Also da capo. „Wiederholungen“ habe ich oben so schön geschrieben „sind die Basis für Perfektion“.

Wenn Kriminelle ihre Taten häufig wiederholen, nennt man sie nicht Künstler, sondern Intensivtäter. KINO-UPDATE. Vor etwa fünfzehn Jahren sahen wir den bewegenden Film Maria voll der Gnade mit einer 17-jährigen Kolumbianerin, die mit dem Entdornen von Treibhausrosen wenig Geld verdient und aus ihrer Armut ausbrechen möchte. Sie lässt sich von der Drogenmafia anheuern, die Mädchen in Kondome verpacktes Kokain schlucken und in die USA schmuggeln lässt. Diese Mädchen werden wie besseres Nutzvieh behandelt und als Maultiere bezeichnet. Die meisten machen die Tour nur ein Mal und bleiben dann als Illegale. The Mule heißt auch der Film mit Clint Eastwood. Kaum vorstellbar, dass er gefüllte Präservative schluckt. Tut er auch nicht. Mehr zufällig gerät er auf seine alten Tage an diesen Job und weiß zu Beginn noch nicht einmal, was genau er da im Kofferraum transportiert. Die Geldsummen, die er damit verdient, sind erheblich, man schätzt seine Zuverlässigkeit und gibt ihm immer mehr Kokain mit. Neben einem fiesen Goldarmband finanziert er damit allerlei Sinnvolles. Obwohl die Drogenbosse und ihre Schergen weitgehend rücksichtslos und gewalttägig dargestellt werden, haben einige von ihnen doch zum Teil Humor und manchmal ein Herz. Das muss man dem Film ankreiden, das Kuriertum wird verharmlost. Eastwood spielt einen irgendwie lustigen, grantigen alten Knacker, der 90 ist und wie 100 aussieht. Sein ganzes Leben lang hat er die Frau und Kind vernachlässigt, seine Tochter spricht seit vielen Jahren kein Wort mit ihm. Das tut ihm schrecklich leid, so dass er Bradley Cooper, dem Drogenfahnder, wohlmeinend empfiehlt, die Familie an erste Stelle zu setzen.

Die Kamera schwelgt in den Weiten der USA, wir machen uns in Gedanken gerne wieder auf den Weg, lieber aber ohne Drogen. Fazit: Etwas lustig, etwas spannend, aber trotz des biographischen Hintergrundes sicher kein Abbild der Realität.

13 Kommentare

  1. Glückwunsch zum nochmaligen „Gewinn.“ Du verknüpfst im Text geschickt drei Themen. schulische Misere, Freitagstexter und Filmkritik. Da gefällt mir besonders die Wendung vom „alten Knacker, der 90 ist und wie 100 aussieht.“

    Der einst so um kämpfte Freitagstexterpokal wird langsam zu einer Last. Die Bloggerinnen und Blogger von Twoday sind noch im Winterschlaf oder schmollen, weil sie die vertraute Plattform nicht mehr vorfinden. Bezeichnend für den Niedergang der hübschen Idee ist die Tatsache, dass du dem Freitagstexter keinen eigenen Beitrag mehr zugestehst. Ich kritisiere das nicht, benenne nur ein Symptom. Man möchte sich nicht eine Woche die Startseite blockieren mit einem Post, der wie ein Ladenhüter nur Platz wegnimmt. Und wenn jemand kommentiert, dann um zu sagen, dass man nicht mitmachen möchte. Dass die Gewinnerin bei Freund Schreibenwärmt eine derartige Posse aufgeführt hat, ist auch ein schlechtes Zeichen. Für mich grenzt es an ein Wunder, dass im schnellebigen Internet ein Mitmachprojekt so lange überlebt hat. Da du aber gewiss nicht diejenige sein möchte, die das Projekt begräbt, liebe Andrea, möchte ich anregen, das Foto ein wenig größer zu zeigen.

    Dass heutzutage im schulischen Alltag immer weniger Zeit zum Üben ist, finde ich eine bedauerliche Entwicklung, die schon am Thema Handschrift deutlich wird. Allüberall wird der NIedergang der Handschrift beklagt und man streitet über die Frage, ob verbunden oder nicht. In diesem Glaubenskampf wird übersehen, dass Handschrift geübt und wieder geübt werden muss, damit sie geläufig wird und im Altag noch eine Rolle spielen kann. Verbindungen stellen sich von selbst ein. (Entschuldige bitte meinen etwas holprigen Kommentar. Ist Restalkohol.)

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  2. Dass Schüler nicht mehr die Disziplin haben zu üben, erkennt man auch in der Tatsache, dass es kaum noch europäischen Musik Nachwuchs gibt.
    Ich mag Clint Eastwood und es wird wohl bald heissen, das war sein letzter Film. Allein deshalb lohnt es sich, ihn sich anzuschauen.

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      1. Das sehe ich auch so…..Ich sah neulich einen Film mit ihm und Jane Fonda, die inzwischen auch schon 81 Jahre alt ist. Sie spielten ein altes Liebespaar..

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  3. Ich mag einige Clint Eastwood Filme sehr gern, muss allerdings sagen, dass ich bei den neueren nicht alle gut fand und daher in den letzten Jahren ein bisschen den Überblick über seine Werke verloren habe.
    Der neue scheint aber wohl wieder recht gut zu sein.

    Gefällt 1 Person

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