Arbeitsteilung – noch mehr über Schreiberei

Der gute alte Adam Smith, Urvater der Ökonomie und häufig im Schlafrock auf der Straße anzutreffen, pries seinerzeit die Wohlstandsgewinne, die aufgrund von Arbeitsteilung entstehen. Er nutzte dafür ein berühmt gewordenes Beispiel von der Stecknadelproduktion, bei dem ein Vielfaches produziert werden könne, wenn die Arbeiter jeweils nur einen kleinen Teil herstellten. Aber Adam Smith sah auch, dass eine Spezialisierung große Abhängigkeiten schafft. Und dass die Ausführung immer nur einer beschränkten Tätigkeit zu Unzufriedenheit führen muss. Bildung und Literatur empfahl er als Abhilfe, womit der Schotte nach wie vor im Trend liegt.

Arbeitsteilung im privaten Bereich, womöglich die klassische Rollenverteilung, ist häufig zu Lasten der Frauen gegangen, auf jeden Fall finanziell, aber auch, was öffentliche Anerkennung angeht. Gute Sache also, wenn ein Mann seiner Frau Kinder und Küche abnimmt, damit diese Romane schreiben kann. Womit wir bei der Schreiberei wären, die als künstlerischer Prozess Arbeitsteilung nur in besonderen Fällen duldet. Am besten überlässt man es der Person, die dafür eine Begabung hat.

KINO-UPDATE. So macht es auch Jonathan Pryce als Joseph Castleman. Seine Frau (Oscar-nominiert Glenn Close) tippt sich an der Schreibmaschine die Finger wund. Das sieht der Zuschauer aber erst viel später in Rückblenden. Denn das harmonische alte Paar fliegt nach Stockholm, damit er dort den Literaturnobelpreis entgegennehmen kann. Die Frau des Nobelpreisträgers wird dort ebenfalls warmherzig empfangen. Aber sie wird nur als dienendes Eheweib angesehen. Ihr Mann dagegen kann sich vor Ehrenbezeugungen und Avancen junger Damen kaum retten. Glenn Close spielt die Frau, die eine gigantische Lebenslüge mit sich herumträgt, ohne viel Aufhebens und deswegen absolut glaubwürdig. Moment, Frauen im Literaturbetrieb? Da war doch neulich noch was. In Über Schreiberei habe ich schon einmal darüber mit meinem Mann diskutiert, im Film wurde die Hauptrolle von Keira Knightley gespielt. Aber so freizügig und wild sieht man Glenn Close nicht. Sie ist eben keine französisch-temperamentvolle Colette, ihr Widerstand, ihr Widerwillen zeigt sich im Niederschlagen der Augen oder im leichten Zucken der Mundwinkel. Sehr empfehlenswert.

 

5 Kommentare

  1. Genau der Beitrag fiel mir sofort wieder ein. Wird in dem Film auch deutlich, warum sie diese Rolle einnimmt und wie ihr Mann darauf reagiert?
    Deine Rezensionen sind immer ungemein spannend zu lesen. Ich freue mich schon auf die nächste……LG Barbara PS: vielleicht über den Dick Cheney Film auf den bin ich nämlich gespannt.

    Gefällt 1 Person

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