Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag schlief ich unruhig. Durch meine Träume geisterte eine der perfidesten Gestalten, die sich aktuell auf schönen langen Beinen durch das Fernsehprogramm bewegt.

Ich träumte von Heidi Klum. Das kommt davon, wenn man unvorsichtig durch die Programme zappt. Bei GNTM blieb ich hängen, als Frau Klum mit ihrem eiskalten Lächeln jungen Mädchen wieder nette Gemeinheiten und gemeine Nettigkeiten mitteilte. Anerkennend musste ich feststellen, dass Klum ihre manipulativen und Macht demonstrierenden Strategien der Gesprächsführung in den letzten Jahren noch vervollkommnet hat. Natürlich hat sich auch nichts daran geändert, dass Mädchen mit einem Rest von Stolz und Eigenwillen nach kurzer Zeit aussortiert werden. Die halbe Stunde reichte mir für eine ganze unerquickliche Nacht. Ich frage mich, wie viele Schlaftabletten man nehmen muss, wenn man mehr Zeit mit ihr verbringt.

Ausgelöst wurde ein unschönes, primitives Gefühl, es jemandem mal so richtig zeigen zu müssen. Weil der neue Film von Fatih Akin aber viel zu gruselig ist, blieb nur Liam Neeson. KINO-UPDATE. Naja, den Film kannten wir eigentlich schon. Ein skandinavischer Streifen mit dem unzweideutigen Titel Einer nach dem anderen. Hier handelte es sich um ein Remake mit dem Titel Hard Powder. Warum die Hauptrolle mit Neeson besetzt wurde? Ein eigentlich friedliebender Mann rächt gnadenlos seinen zu Tode gekommenen Sohn. Wie immer also. Diesmal mit im Einsatz : jede Menge Schnee (jetzt nicht nur die Drogen, sondern echter), Indianer, ein echt großer Schneepflug und weiteres Gerät, eine nicht amüsierte Dame aus Thailand und der hyperintelligente Junge. Der war süß, aber besonders mies besetzt, denn er sah sowohl dem verbrecherischen Vater als auch der indianischen Mutter kein bisschen ähnlich, sondern wirkte wie aus Oxford eingeflogen. Die erhoffte kathartische Wirkung durch den Film trat jedenfalls bei mir nicht ein.

Wer sagt, dass er so einen Mist sowieso niemals guckt, liegt gar nicht verkehrt. Allen anderen empfehle ich einen DVD – Abend mit Stirb langsam I und II.

12 Kommentare

  1. Hallo Frau Heming, deine Filmrezensionen finde ich wie immer „auf den Punkt gebracht“ und sehr gelungen. Nur schaffe ich es nicht ganz, eine Verbindung zwischen dem Titelfoto und dem Inhalt herzustellen. Soll es heißen, das Fleisch ist so blutig wie die genannten Filme? *grübel* 😉 LG

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  2. Mir gefällt, wie es dir immer gelingt, an alltäglichen Erfahrungen deine Filmkritiken anzuknüpfen. Besonders die unmerklichen Nahtstellender Grenzbereiche gefallen mir. Ich glaube, von GNTM habe ich bislang maximal zehn Sekunden gesehen, mehr könnte ich nicht, müsste mich vorm inhärenten Zynismus schützen, um nicht daran zu kranken. Dass dich nach dem Anschauen Alpträume befallen, ist mir darum lieber als könntest du das einfach so konsumieren.

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  3. Da zahlte Liam Neeson aber einen hohen Preis, wenn der Film wirklich so schlecht ist. Seine Karriere soll ja sozusagen beendet sein, da er bei einem Interview zu diesem Film rassistische Äusserungen von sich gab.
    GNTM ist halt Reality TV auf dem Rücken pubertärer Mädels. Nicht nur werden sie runtergemacht, sie werden noch als Werbeflächen missbraucht.

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    1. Ach, das habe ich noch gar nicht mitbekommen. Sein Filmwerk ist ja verzichtbarer als das von Kevin Spacey, der sich vermutlich noch Schlimmeres hat zu Schulden kommen lassen.
      Dass die Mädchen als Werbeflächen dienen, ist eine Sache, die emotionale Ausbeutung finde ich persönlich schlimmer.

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  4. Bei Heidi denke ich eher an Almhütten als an Superstars. Letztere Sendung habe ich nie gesehen. Das nennt man wohl die Gnade der späten Geburt. Bruce hat mich allerdings lange im Leben begleitet. Die ersten Teile von stirb langsam sind wunderbare Zeitverschwendung und gute Action. Mit der ganzen Computeranimation haben sie es am Ende aber übertrieben und zu sehr nach Comic aussehen lassen. (Von wegen am Düsenjäger hängen und so). Und zum Schluss wollte ich noch dafür plädieren skandinavische Filme gesetzlich vor Hollywood zu schützen. Danke für Deinen Beitrag.

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