Gemeinsam stark

Die Menschen in Lissabon haben die Ruhe weg, besonders im wuseligen Strassenverkehr. Das ist auch besser so, sonst wäre die Zahl der Herzinfarkt-Toten sicher enorm. Wir saßen jedenfalls in der bekannten Tram 28 und es ging nur sehr langsam vorwärts, denn immer wieder stand ein parkendes Auto auf den Schienen, dessen Fahrer hervorgeklingelt werden musste. Niemand regte sich auf. Bis wir irgendwann an einer ungünstigen Stelle zu stehen kamen. Das Auto stand nur wenige Zentimeter auf den Schienen, man lehnte sich aus den Fenster um die Möglichkeiten genau zu analysieren, an eine Weiterfahrt war aber nicht zu denken. Der Autobesitzer erschien auch nach weiterer energischer Klingelei nicht. Schließlich hielt es einige Männer, unter anderem meinen, nicht mehr in der Tram. Zu fünft schafften sie es, den Wagen anzuheben und von den Schienen zu bewegen. Beifall, Lachen und Schulterklopfen unter den Zuschauern, fröhliches Nicken des Tramfahrers. Dann ging es weiter. Mit vereinten Kräften lässt sich was erreichen, auch in hoffnungslosen Situationen. Das dachten sich auch die übriggebliebenen Avengers.

KINO-UPDATE. Wer den Film Endgame noch sehen will, sollte an dieser Stelle aufhören, diesmal ist ein Spoiler unvermeidlich.

So unvermeidlich wie der Plan des bösen Thanos, die Erde zu einem besseren Ort zu machen, indem er die Hälfte aller Lebewesen auslöscht. Das ist am Ende des letzten Teils schon geschehen, und Thanos betätigt sich mangels weiterer Aufgaben als Freizeitgärtner. Die überlebenden Avengers findet man in unterschiedlichen Stadien der Verzweifelung. Captain America leitet eine Selbsthilfegruppe, Hulk ist dauerhaft grün und macht nette Selfies mit Teenagern, Black Widow hatte Stress mit ihrem Friseur, Tony Stark gibt den schlichten Hausmann, optisch am Schlimmsten hat es Thor getroffen, der sich mit fetter Wampe und verfilztem Bart dem Säufertum hingibt. Bis Antman aus der Quantenebene auftaucht, in der er schlanke fünf Stunden verbracht hat, während auf der Erde tragisch-dramatische fünf Jahre vergangen sind. Damit liegt das Thema Zeitreise auf dem Tisch und wird filmtechnisch gut genutzt. Das Spektakel dauert volle drei Stunden, wobei einige disneymäßig gefühlige Szenen hätten kürzer sein dürfen. Zum Glück hatten wir die 2D-Version gewählt, die auch nicht durch eine lästige Pause unterbrochen wurde. Am besten mit den Produzenten verhandelt hat eindeutig Robert Downey Jr., der als Mensch in dieser Superheldenschwemme die wichtigste und beste Rolle geschrieben bekam, allerdings auch mit dem schleimigsten Abgang geehrt wurde. Captain Marvel dagegen, die als Obersuperfrau eigentlich mit allem allein hatte fertig werden müssen (und können), war immer nur kurz als Feuerwerkskörperchen unterwegs.

Ich fühlte mich insgesamt gut unterhalten. Mein Mann allerdings, der sich wirklich auf den Film gefreut hatte, fing schon beim Abspann an zu schimpfen und war auch nach 15 km Autofahrt noch nicht fertig. Logische Brüche, Umdeutungen der Charaktere, Rührseligkeiten.

Bestimmt haben schon einige Rezensenten sich das Wortspiel „Endlame“ nicht entgehen lassen, ich habe es aber vermieden, andere Rezensionen zu lesen. Meiner Meinung nach war, in Anbetracht des Massenaufmarsches aller Figuren, kaum Besseres zu erwarten.

 

2 Kommentare

  1. Die Krimis hatte ich lesetechnisch auch irgendwann über. Die Superhelden waren sich in diesem Film zum großen Teil selbst zuviel. Thor hat sogar seinen Status als Gott auf standby geschaltet und ist quasi Amerikaner geworden. Ist ihm nicht so gut bekommen 😉

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