Neunziger Nostalgie

Das Radioprogramm lief gestern unter dem #Übernahme, was bedeutet, dass den ganzen Tag nur Musikwünsche gespielt werden. Grund genug für mich, in der Küche und später im Auto auf volle Lautstärke zu drehen. God is a DJ😊

Das waren noch Zeiten, als wir damals regelmäßig mit einer anderen Familie Babyphon-Sitting machten, damit wir jungen Mütter (und Referendarinnen) nachmittags zu unseren Seminaren fahren konnten. Ich passte also mittwochs auf die kleine Marisa auf, die normaler Weise mittags zuverlässig zwei Stunden schlief. Nur nicht mittwochs. Wenn ich von der Schule zu Hause war und das eigene Kind glücklich schlief, wachte sie nach einer Stunde auf. Ich holte sie also aus dem Bettchen und drückte ihr eine Reiswaffel in die Hand. Dann setzen wir uns zusammen aufs Sofa und schauten eine Folge Deep Space Nine.

KINO-UPDATE. Obwohl – wahrscheinlich aber weil – wir Trekkies waren, haben wir uns über diese Serie immer ein bisschen lustig gemacht. „Frisöre im Weltraum“ hatten wir sie für uns genannt, „Lindenstraße am Wurmloch“ hätte auch gut gepasst.

Als aber das Kinoprogramm die Dokumentation WHAT WE LEFT BEHIND ankündigte und einen Blick hinter die Kulissen von DS9 versprach, hatten wir trotzdem Lust darauf. Immerhin wird der 25. Jahrestag gefeiert. Ebenso wie wir standen viele Trekkies dieser Serie ablehnend gegenüber. Die Macher lösen das sehr originell, indem sie die Schauspieler aus der bösen Zuschauerpost vorlesen lassen. Alle Schauspieler und die Drehbuchschreiber wurden zusammengetrommelt, letztere entwerfen zum Spaß sogar eine Fortsetzung für eine ganze Staffel, deren Storybord animiert wird. Daneben werden auch zahlreiche frisch renovierte Szenen, die Besonderheiten einzelner Figuren und die Qual mancher in der Maske (täglich drei Stunden!) gezeigt.

Am meisten hat mich beeindruckt, wie die Macher über die Modernität der Serie gesprochen haben. Ein Schwarzer ist nicht nur Chef einer Raumstation, nein. Er ist ein sehr fürsorglicher, alleinerziehender Vater. Das war sensationell. Persönlich und berührend ist auch, dem ehemaligen Filmsohn zuzuhören. Sein Filmvater Avery Brooks hat ihn auch nach den Dreharbeiten zu Familienevents mitgenommen und ihn als zweiten Sohn vorgestellt. Die beiden sind sich immer noch sehr nah.

Ebenso vielfältig und emanzipiert sind die starken Frauengestalten. Schauspielerin Nana Visitor (Major Kira) ist immer noch sehr selbstbewusst und zeigt den Männern, wo es langgeht. Im Nachhinein betrachtet hatte die Serie eine Menge zu bieten.

Kein Wunder also, dass aus der kleinen Marisa echt was geworden ist.

Wer die Gelegenheit hat: Ansehen! Eine besonders gut gemachte Doku.

P. S. : Die Fotos habe ich vom Laserdisc-Cover gemacht. Auch so ein Stück Nostalgie.

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