Selbstbetrachtung

Der 3. Oktober hat ja deutlich zuwenig Lametta. Klar, den arbeitsfreien Tag nimmt man gern mit, zumal ja im Garten schrecklich viel zu tun wäre. Ein erhebendes Feiertagsgefühl stellt sich aber nicht ein. Vielleicht bin ich dafür auch zu weit westlich. Auf friedlichem Wege ein System losgeworden zu sein, dass es nötig hatte seine Bürger einzusperren, ist jedes Lametta und etliche Flaschen Sekt wert. Meiner psychologischen Westentaschentheorie nach war die Mauer nicht nur die schmerzhafte Systemgrenze. Sie war auch der Spiegel, der uns Deutschen hüben wie drüben die Eigenschaften zeigte, die wir nicht (wahr-)haben wollten : Engstirnigkeit, Rücksichtslosigkeit, Duckmäuserei. Ein Hoch also auf die Momente, in denen wir auch anders konnten. Ich hebe meinen Frühstückskaffee auf die Mutigen und Aufrechten, selbst habe ich dazu nichts beigetragen. Viel mehr öffentlicher Respekt scheint mir aber angebracht.Zurück zur Selbstbetrachtung. Welchen Rat ich mir selbst geben würde, falls ich mein jüngeres Ich träfe, will mein Mann nach dem Film wissen. Wenn mein jüngeres Ich mir ähnelt, brauche ich mir die Mühe nicht machen, entgegne ich. Es ist gegenüber guten Ratschlägen völlig unempfänglich.KINO-UPDATE. Auf den Film hatten wir uns so gefreut, dass wir vor dem heutigen Bundesstart in Gemini Man gehen mussten. Den Film hat Ang Lee gemacht, der ja auch schon mal Oscars gewonnen hat. Hauptdarsteller Will Smith spricht für sich. Er gibt den Elitekiller Henry Brogan. Wie immer, wenn sich solche Menschen aus ihrer Profession zurückziehen wollen, werden sie verfolgt. Merkwürdig, dass sie selbst von dieser geläufigen Binsenweisheit überrascht sind.Noch merkwürdiger ist der optische Eindruck, den die hyperrealistische Aufnahme macht. Jedes Körnchen unterm Fingernagel ist sichtbar, die unnötigen Details lenken vom Geschehen ab und irritieren. Zwischenzeitlich wähnt man sich in einem Reisefilm, erst für Mexiko, dann für Budapest. Der Actionteil ist rasant und spannend umgesetzt. Den Elitekiller jagt schließlich nicht irgendwer, sondern sein eigener jüngerer Klon. Schwierig, sich selbst zu erwischen, stellen die beiden fest. Aber Clive Owen als Militär mit Größenwahn und Klonzucht-Traum ist irgendwann erledigt. Spätestens dann sollte man das Kino fluchtartig verlassen. Es folgt eine schleimige Seifenopern-Schlussszene, die den Film zu einer komplett lächerlichen Cola-Werbung macht. Vielleicht sollte er von Anfang an auch nichts anderes darstellen.Fazit: Das Geld lieber für einen anderen Film ausgeben.

5 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s