In Zeiten wie diesen

Unsere Unterkunft ist schön eingerichtet und das Frühstück reichhaltig und liebevoll hergerichtet. Allerdings ist es rattenkalt. Als die nette Besitzerin die dicke Decke um meine Schultern und meine blauen Lippen bemerkt, stellt sie die Heizung höher und man kommt nett ins Gespräch über die erhöhten Anforderungen an einen Gastgeber in Goslar. Denn oberste Priorität haben die herrschenden Mächte dem Denkmalschutz gegeben. Das heißt, eine Dämmung des 500 Jahre alten Hauses ist untersagt und der Einbau neuer Fenster ist illusorisch, da diese nicht die Anforderungen erfüllen. Hinweise zu besonderen Aktionen ins Fenster zu stellen sei ebenfalls nicht ohne weiteres gestattet. Eine Freundin habe für ihre Gäste im Hinterhof keine Markise über der Terrasse anbringen dürfen, da sie von der Straße aus ein Stückchen zu sehen sei. Inzwischen ist der Frost aus meinen Knochen gewichen und mein Mann hat sich ein Zimmer zeigen lassen, das deutlich wärmer ist, einschließlich des Bades. Soweit eingestimmt ziehen wir los zum Geschenkekauf. Überall wird geschafft und gehämmert, denn Goslar bereitet sich vor auf den Weihnachts-Tsunami.

Endlich wieder am richtigen Wochenende in Goslar! Das bedeutet, der nette Blumenladen in der Seitenstraße hat eine wunderschöne Ausstellung vorbereitet und außerdem gibt es Würstchen und Glühwein. Doch, o Schreck, der alte Torbogen, sonst mit Stroh ausgestreut und voller reizende Deko-Ideen, ist verschlossen. Keine Grillwurst in Sicht. Wir fragen betrübt im Buchladen nebenan, dem wir auch immer einen Besuch abstatten. Die Besitzerin klärt uns darüber auf, dass wir ein Wochenende zu früh seien. „Kann nicht sein“, erkläre ich meinem Mann auf der Straße. „Ein Wochenende später bin ich immer mit Schwestern und Mutter in Münster. Da kann ich unmöglich gleichzeitig in Goslar sein.“ Die Argumentation leuchtet meinem Mann sofort ein, er stürmt mit mir im Schlepptau den Blumenladen und fragt nach. Freundlich werden wir durch die Hintertür auf den Hof gebeten, wo Grillwurst und Glühwein schon auf uns warten:) In diesem Jahr gehe es nur für Insider und ohne Ausstellung, erklären die Besitzer. Man benötige dringend eine Floristin. Da können wir leider auch nicht weiterhelfen. Aber die beiden freuen sich, dass wir uns von der geschlossenen Pforte nicht haben abschrecken lassen.

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