Früher

Es gab mal Bücher, die mich nicht nur unterhalten, sondern echt umgehauen haben. Geschichten, die immer wahrer werden. Eine habe ich gerade vor mir liegen: Schöne neue Welt von Aldous Huxley. An diesem Roman ist alles visionär. Warum die futuristische Ersatzreligion mit Ford – Vereinigungsfeiern begangen wird, habe ich aber erst letztens im Kino verstanden.

KINO-UPDATE. Double Feature. Ford also, eine mächtige, fette Firma mit einem ebensolchen Boss, Henry dem II. Der wünscht, seinem Vater Ehre zu machen und die Firma reich(er). Jemand kommt auf die absurde, geradezu lächerlich peinliche Idee, man solle ins Geschäft mit Autorennen einsteigen und Ferrari besiegen.

Hier beginnt Le Mans 66 – Gegen jede Chance. Auch Menschen, die Autos uninteressant oder gar blöd finden, werden von diesem Film begeistert sein. Christian Bale ist Rennfahrer Ken Miles, Matt Damon verkörpert seinen Kumpel Carroll Shelby, den Konstrukteur. Es macht einfach Spaß, Fachleuten (oder Besessenen?) bei der Arbeit zuzusehen. Und dann der ewige Kampf zwischen Ingenieuren und Marketing! Die Motoren brüllen, die Bremsen glühen und wer zum Knabbern an Fingernägeln neigt, sollte sich auf seine Hände setzen. Bereits in Frankfurt hatte mir eine Kinderfilmexpertin und bekennende Autohasserin diesen Film empfohlen, der trotz seiner 153 min keine Längen aufweist. Wer sich für Autos oder Technik auch nur ansatzweise interessiert, der MUSS den Film sehen.

Und weil wir ja in Goslar immer zwei Filme hintereinander sehen, hatten wir die Chance auf Zombieland (schon gesehen), Dark Fate (dito) oder Das perfekte Geheimnis.

Launig kommt der Film daher, gedreht vom Fuck Ju Göhte-Regisseur, auch ein Teil der Besetzung hat sich herübergerettet. Gedacht war das ganze wohl als harmlose Ausgabe von Der Gott des Gemetzels. Beim spaßigen Pärchenabend von Menschen, die sich teils schon seit der Grundschule kennen, kommen durch die Offenlegung der Handy-Kommunikation lauter Geheimnisse ans Licht. Das ist so lange amüsant, bis einer der Männer sich als homosexuell zu outen gezwungen wird und die anderen darauf reagieren, als wäre er Menschenfresser. Auch verbal wird die ganze Zeit in eine Kerbe gehauen, die überhaupt nicht mehr witzig ist. Die „Freunde“ schämen sich am Schluss (etwas) für ihre Ausfälligkeiten und setzen sich für ihren schwulen (schwachen) Freund ein, indem sie die Sache wie echte Männer regeln und zu dritt und vermummt jemanden verprügeln. Glückwunsch. Dass die Frauen mit Karriere in Wahrheit lieber täglich zum Spielplatz gepilgert wären, weil ihre wahre Bestimmung, sagen wir es offen, bei Heim und Herd liegt, ärgert da nur noch am Rande.

Früher ist eigentlich noch gar nicht so lange her…

FAZIT: Ehrlicher und spannender mit quietschenden Reifen statt mit quatschenden Unreifen.

11 Kommentare

  1. Über beide Filme habe ich positive Besprechungen im Fernsehen gesehen, beim ersten dachte ich: Muß das sein, daß im Jahr 2019 ein Autofilm über ein Autorennen aus den 60ern gedreht wird, mit Motordröhnen, lebensgefährlichem und idiotischem Um-die-Runde-fahren und Machotypen, einer blöder als der andere? Den zweiten dagegen fand ich reizvoll, wenn er flott gemacht ist … Nun lese ich von Dir eine gegensätzliche, aber wohlbegründete Bewertung. Das ist ja richtig übel, was Du über das „Geheimnis“ erzählst. Danke für die Warnung, auf keinen Fall werde ich dafür Geld ausgeben.
    Das ansatzweise Interesse für Autos und Technik ist bei mir nicht vorhanden, weshalb ich mir auch diesen Film sparen kann, aber ich danke Dir trotzdem für Deine Besprechung, mein Vorurteil fällt nun etwas milder aus. Wenn mich jemand fragt, ob der Film gut sein könnte, kann ich immerhin sagen: Mich interessiert er nicht, aber ich kenne jemanden, die fand ihn ausgezeichnet.

    Gefällt 3 Personen

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