Feminines

Was fängt man mit dem Frausein an, sofern man die Wahl hat? Anette von Droste Hülshoff litt Zeit ihres Lebens unter den auferlegten Einschränkungen, weswegen sie sich in einem ihrer Gedichte wünschte, doch mindestens nur ein Mann zu sein. Denn nur damit sind Freiheit und Selbstentfaltung möglich. Wie sehr mögen sich andere Frauen dies auch gewünscht haben, die weder adelig noch wohlhabend waren?

Die angehende Jungschriftstellerin Jo bekommt von ihrer reichen zynischen Tante klar aufgezeigt, welche Optionen sie als Frau habe, um finanziell unabhängig zu werden. Sie könne entweder ein Freudenhaus eröffnen oder ans Theater gehen, was faktisch gesehen das Gleiche sei. Die Heirat, ob gewünscht oder nicht, sei daher der einzig gangbare Weg. Der Verleger, dem sie ihre Romanidee vorlegt, sieht das ähnlich. Am Ende des Romans gebe es für die Heldin nur zwei Optionen, entweder verheiratet oder tot. Saoirse Ronan spielt die wütende junge Frau mit Wucht und so viel Überzeugung, dass sie in unserem Kino-Blättchen fälschlich als die Älteste der vier Schwestern bezeichnet wird, um die es in LITTLE WOMEN geht. Dabei ist Meg die Ältere, die sich den Konventionen ergibt. Emma Watson ist in dieser Rolle aber nicht gut besetzt und geht etwas unter. Die drei älteren Schwestern mögen und lieben den reichen, aber einsamen Nachbarsjungen Laurie, eine kann ihn schließlich für sich gewinnen. In welcher Zeit sind wir überhaupt? Es ist kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg. Außer der Wohltätigkeit bleibt Frauen nicht viel zur eigenen Entfaltung, haben sie erst Mann und Kind, fließen alle Energien in die Familie. Deswegen empfiehlt Tante March (köstlich von Meryl Streep) die sorgfältige Auswahl des Zukünftigen. Sie sei ja auch nicht verheiratet, wirft Jo ein. Tante March schüttelt missbilligend den Kopf. Das sei ganz etwas anderes, sie sei schließlich auch reich.

Die Geschichte der Schwestern, von Louisa May Alcott auf autobiographischer Grundlage 1868 verfasst, soll schon oft verfilmt worden sein, diesmal von Greta Gerwig. Fazit : Bewegend und unterhaltsam, unbedingt den ersten Kinobesuch des Jahres wert.

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