Doppeldeutiges

„Im Rheinland verteilen sie in der Bahn ab heute Kotztüten“, erklärt launig der junge Radiomoderator. „Ach, das finde ich ja witzig“, kommentiert seine flippige Co-Moderatorin. „Ich finde den Valentinstag auch zum Kotzen.“

Ob es den ganzen Männern auch so ging, die da gestern Abend im Kino saßen, weil sie ihrer Partnerin seit fünf Jahren einen Kinobesuch schulden, war auf die Schnelle nicht zu klären.

Die letzten Exemplare mit einem schlechten Gewissen standen heute Morgen mit Kind im Schlepptau hilflos vor den Regalen auf der Suche nach „diesem roten Zeug“. Ich half ihnen bei der Recherche nach Tortenguss, auf dass sie der Mama nachträglich einen schönen Kuchen backen. Zurück zum gestrigen Abend.

KINO-UPDATE. Den englischen Titel hat man belassen – Bombshell – und zur Erläuterung „Das Ende des Schweigens“ hinzugefügt. Der Originaltitel ist aufgrund seiner Doppeldeutigkeit bestens gewählt, denn einerseits ist damit eine Neuigkeit gemeint, die man wie eine Bombe platzen lässt. Aber auch die (blonde) Sexbombe wird mit diesem Begriff bezeichnet. Und damit ist man mitten in der noch frischen Geschichte um den erst kürzlich verstorbenen Chef des Fox- Nachrichtensenders Roger Ailes. Dieser Unsympath ersten Ranges wurde nicht müde zu erklären, dass Fernsehen ein optisches Medium sei. Seine Moderatorinnen müssen daher seine entsprechenden Anforderungen erfüllen. Dass sie stramm auf konservativ-republikanischer Linie liegen, zumindest vor der Kamera, versteht sich von selbst. Sie dürfen/müssen ihre „anständigen“ Einstellungen aber immer dann vergessen, wenn sie allein mit ihm im Büro sind. Hier verlangt er Dienstleistungen unterhalb der Gürtellinie als Zeichen von „Loyalität“. Irgendwann hat Gretchen Carlson (Nicole Kidman) Mut genug, um ihren Ex-Boss zu verklagen. Als sich der bekannte Star Megyn Kelly (Charlize Theron) anschließt, kommt eine Lawine in Gang. Am Beispiel des naiven Neuzugangs Kayla (Margot Robbie) darf der Zuschauer miterleben, wie dieses widerliche System auch in seinen letzten Wochen noch funktionierte.

Der Film ist die gespielte Version einer Dokumentation. Die meisten Personen sind real, für die Maske gab es auch einen Oscar. Interessant fand ich , wie Fox News funktioniert, beschämend die teils mangelnde Solidarität unter Frauen und widerlich die sexistische Männerherrschaft. Für einen romantischen Valentinsabend ist der Film denkbar ungeeignet. Aber davon abgesehen einen Besuch wert.

4 Kommentare

  1. Gibt es eigentlich auch sowas wie Pisstüten? Es ist nicht schön, das Haus zu verlassen und gleich in eine Lache zu treten – Hauseingänge sind natürliche Pissoirs für Karnevalisten. Ich hoffe jedesmal zu Karneval auf viel Regen, damit das Gröbste weggespült ist, wenn ich aus meinem Fluchtort zu Aschermittwoch zurückkomme.
    „Fox News“ ist das bevorzugte Informationsmedium des derzeitigen USA-Präsidenten, da wundert man sich über gar nichts. Das scheint ein wichtiger Film zu sein.

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