Geheimes

Meine Ohren sind ziemlich gut, weswegen ich von dem Geflüster mancher Sitznachbarn mehr mitbekomme, als diesen lieb ist. Diese Ohren haben mich daher auch nicht vor der Wahrnehmung einen feinen Zirpens schützen können. Ganz unverkennbar haben sich Mäuse in unseren Keller geflüchtet. Zwar habe ich durchaus Verständnis, es lädt gerade nicht zu Aufenthalten im Freien ein. Aber da sie ihr geheimes Leben vor mir nicht gut genug verborgen haben, schicke ich ihnen jetzt unsere Katze auf den Hals..

KINO-UPDATE. Double Feature. Geheim geht es weiter. Die Hauptperson ist alles andere als das und hat einen in über zwanzig Sprachen übersetzten Bestseller geschrieben. Und nett ist dieser Mensch auch noch. Allein dieser Kombination gebührt Respekt. Bei uns läuft Das geheime Leben der Bäume schon mehrere Wochen. Neben das deutsche Herz erhebenden wunderschönen Wald- und Baumaufnahmen, neben höchst interessanten Information über den Wald als Biotop vermittelt der Film viele gute Botschaften ohne erhobenen Zeigefinger. Zum Beispiel, dass wir nicht die Natur schützen müssen, weil die sich am besten selbst schützt. Wir Menschen mit unseren lächerlich kurzen Zeiträumen schützen bestenfalls uns selbst – wenn wir es schaffen könnten, nicht immer wieder die gleichen Fehler zu machen. Fazit: Personen- und Naturporträt mit nicht zu dick aufgetragener Didaktik. Sehenswert.

Und dann fehlte uns ja auch noch das hochgelobte neue Werk von Polanski…Frankreich in der Zeit um die Jahrhundertwende. Die Männer hängen mit der Anhänglichkeit kleiner Kinder an einem verschrobenen Ehrbegriff. Um so mehr, wenn sie beim Militär sind, das in jeder Hinsicht unantastbar erscheint. Der jüdische Offizier Dreyfus ist da nicht anders als seine Kameraden: stolz, penibel, präzise, gehorsam, Haltung als Lebensprinzip. Aber er ist Jude. In dieser Hinsicht sind die Franzosen, wie ich lernen durfte, nicht besser als der Rest Europas. Als ein Spion gesucht wird, findet man Dreyfus, fälscht skrupellos Beweise und Gutachten, sperrt ihn als Hochverräter weg. Picquart, der zu dieser Verurteilung beigetragen hat, kommt als neuer Chef des Geheimdienstes, der sich auch ganz ohne Internet schon spannender Mittel der Geheimnisaufdeckerei bediente, an Informationen, die die Unschuld von Dreyfus belegen. Ein Skandal, den seine Vorgesetzten mit allen Mitteln unterdrücken wollen. Aber das ist mit der Ehre Picquarts unvereinbar. Fazit: Intrige – Eine gerade heute sehr aktuelle Geschichtsstunde. Spannend und mit toller Ausstattung!

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