Selbstbewusstes

Da war gestern dieser Weltfrauentag. „Du hast zwar im Beitrag gestern darauf hingewiesen, aber das war eher beiläufig“, mahnt eine innere Stimme. „Findest du nicht, du könntest etwas Fundierteres darüber schreiben? Zumindest was Witziges, das haben andere auch gemacht, sogar Männer.“ „Äh, naja“, winde ich mich. „Der größte Scherz ist doch“, kichert eine andere Stimme boshaft, „dass sie abends mit ihrem Mann in einen albernen Ballerfilm, einen echten Männerfilm, gegangen ist. Das Programm hätte hochklassige Möglichkeiten geboten, die sich intensiv mit der Rolle der Frauen…“ „Schluss jetzt!“, bestimme ich. „Wenn so ein Tag irgendeine sinnvolle Botschaft zu vermitteln hat, dann doch wohl die, dass ich mir ansehen kann, was ich will und mit wem ich will. Mein Selbstbestimmungsrecht gilt auch und besonders fürs Kino!“

KINO-UPDATE. Der Film startet in Mombasa, Kenia. Da bin ich ja als Studentin mit der Bafög – Nachzahlung eines kompletten Semesters hingefahren. Allein, Buchung Doppelzimmer mit unbekannter weiblicher Mitbewohnerin. Ein Bus holte uns vom Flughafen ab, um uns ins Hotel an die Küste zu fahren. Auf der Fahrt durch Mombasa wurde der Touristenbus mit schweren Steinen beworfen und die Frontscheibe ging kaputt. Im Film sind echte Kriegszustände zu sehen. Soldat Ray Garrison (Vin Diesel) hat eine heikle Mission zu bestehen. Er befreit eine Geisel und wird angeschossen, aber kommt doch wohlbehalten wieder zu Hause an, wo seine bildschöne Frau ihn erwartet. Man verbringt einen romantischen Urlaub an der Amalfi-Küste. Ei was, da war ich ja auch. Bevor aber die entspannte Stimmung Überhand nimmt, wird Ray überfallen, gekidnappt und findet sich gefesselt in einem dekorativ mit Rinderhälften aufgehübschtem Kühlhaus wieder. Finde ich sehr billig, vor allem als „der Böse“ dann auch noch zu Musik tanzend auftritt und Rays schnuckelige Frau vor dessen Augen kaltblütig ermordet. Ich habe das Gefühl, diese Szene schon zig Mal gesehen zu haben. Ray wird auch erschossen, 10 Minuten von insgesamt 109 Minuten sind um und jetzt sollte wohl der Film losgehen. Spoiler-Warnung für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass sich unter der werten Leserschaft meines Blogs ein potentieller Zuschauer befindet.

Warum kam mir die Anfangsszene so platt und abgenutzt vor? Ein Programmierer hat die Sequenz auf Geheiß seines Chefs Dr. Harting (Guy Pearce) aus allen möglichen Filmen so zusammengestellt. Ray Garrison wurde nämlich nicht nur wiederbelebt und mit unglaublichen Selbstheilungskräften ausgestattet. Dr. Harting lässt ihn scheinbar für den Tod seiner Frau Rache nehmen, benutzt den gradlinigen Soldaten aber nur, um seine Mitwisser und Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Nach jeder Tat wird Rays Gedächtnis gelöscht und wieder mit der gleichen Szene bespielt. Nur der Mörder bekommt jedes Mal ein anderes Gesicht. Und wie der Pawlowsche Hund reagiert Ray immer gleich, so dass seine „Kollegen“ ihren Hohn kaum noch verbergen können. Aber da ist eine weitere Frau im Spiel, die sich auch vom gewissenlosen Harting nicht mehr ausnutzen lassen will. Und Ray ist für sie längst mehr geworden, auch wenn der nur an Rache für seine Frau denkt…

Nachdem die Angelegenheit actionmäßig spektakulär zu Ende gebracht wurde, stehen die beiden mit Wohnwagengespann und Sonnenuntergang am Strand. Ist das jetzt real? Der Film gestattet sich zum Schluss noch ein Augenzwinkern.

Fazit: Sehr viel besser, als der brachiale Titel BLOODSHOT vermuten lässt.

4 Kommentare

  1. Danke.
    Der Trailer auf Utub ist … lustig.
    Ich schätze, ich werde morgen beim Zahnarzt daran denken, daß es für beinahe jede Situation auch im Leben eines Durchschnittsmannes glücklicherweise ein DANACH gibt.

    Gefällt 1 Person

      1. Kommt mir aber stets so vor, wenn ich auf dem Rücken liegend ein halbvermummtes Gesicht knapp über dem meinen sehe und mich gleichzeitig an die Decke beamen möchte, die ich tränentrüb nur halb wahrnehme; was wohl sowieso kontraproduktiv wäre und die Schleife in Echtzeit verlängern würde 😉

        Gefällt 1 Person

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