Verwegenes

„Na, ihr lasst euch ja von nichts abhalten!“, werden wir von der Kinofrau begrüßt. Wir sind nicht etwa durch den Hintereingang rein, sondern haben den Haupteingang genommen und auch andere Leute sitzen da, sogar bei einem Glas Wein. Noch sind die Kinos auf, haben aber die Saalkapazitäten halbiert. Für uns kaum bemerkbar. Wir sitzen sowieso immer weit vorne, da ich online am liebsten Plätze in ganz freien Reihen buche.

KINO-UPDATE. Wie entdeckt man den Kern des Lebens, wie seine wahre Bestimmung? Zwei ganz unterschiedliche Jungen verbringen ihre Kindheit und Jugend in einem Benediktiner-Kloster. Wie Narziss in das Kloster kam, erfahren wir nicht. Der Junge ist sehr zurückgenommen, Freunde hat er nicht, Mönch zu werden ist sein sehnlicher Wunsch. Dann wird, von einem wahrhaft widerlichen Vater, der kleine Goldmund im Kloster abgeliefert. Die beiden Jungen werden gute Freunde, eigentlich sogar fast mehr als das. Als sie zu jungen Männern geworden sind, wird das argwöhnisch beäugt. Goldmund verlässt das Kloster. Bis dahin habe ich schon viel Stimmungsvolles zum Klosterleben und eine malerisch verschneite Landschaft gesehen. Zeitsprung: Narziss ist inzwischen der Abt des Klosters. Auf einer Feier bei einem Adligen wird plötzlich Goldmund hereingeschleppt, inflagranti ertappt bei der Dame des Hauses. Er wird nicht eben zimperlich in den Kerker geworfen und misshandelt. Narziss befreit ihn, bringt ihn ins Kloster zurück. Was geschehen sei, möchte er von seinem Freund wissen. „Mehr als in ein Leben passt“, antwortet der. Zeit sich zurückzulehnen. Ein buntes Kaleidoskop von Mittelalter-Klischees entfaltet sich: stolze Handwerker, fahrendes Volk, turbulente Jahrmärkte und natürlich die unverzichtbare schwarze Pest. Entspricht das noch der Vorlage von Hermann Hesse? Ich habe das Werk Narziss und Goldmund nicht gelesen, das Regisseur und Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky unbedingt verfilmen wollte. Im letzten Viertel des Filmes wird die Frage verhandelt, wodurch man zum Künstler wird. Muss man jedes Gefühl, das man darstellen will, selbst durchlitten haben? Goldmunds Frauenfiguren, die er für einen besonderen Altar schnitzt, sprechen die Gläubigen unmittelbar an. Vielleicht deswegen, weil er seine ganz persönlichen Erfahrungen mitverarbeitet. War ja zu erwarten, dass einem missgünstigen Haufen alter Kleriker das viel zu viel Leben ist…

Kommentar: Ganz schön anzusehen. Und ein überraschend auftretender Uwe Ochsenknecht wurde dezent hinter einem Bart versteckt und störte nicht weiter. Vielleicht lohnt sich auch der Blick ins verstaubte Buch ganz hinten im Regal.

10 Kommentare

  1. Ich habe das auch mit über 20 sehr gern gelesen, wenn ich mich recht erinnere, aber ich habe kaum Erinnerungen an den Inhalt. Vielleicht jetz DIE Gelegenheit für Dich, mal reinzuschnuppern, wenn bald nach Schul- und Kinoschließung auch noch der Aufenthalt im Freien verboten wird.;-)

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