Tüte der Woche Nr. 26

Was mich gedanklich so umtreibt, beschäftigt offenbar auch Experten, die für ihre Leistungen schon das Bundesverdienstkreuz verliehen bekamen. Ein solcher Experte ist Horst Opaschowski, von dem ich heute Morgen in der Zeitung lesen darf, dass den Menschen Entzugserscheinungen drohten, weil man nicht mehr reisen könne. Er begründet seine These mit dem Verweis auf die Frühzeit, denn das Reisen gehöre zum Menschen, wir seien vor der Sesshaftigkeit mobil gewesen. Mit diesem Argument arbeiten viele Menschen gern, auch solche, die den Mann bestimmungsgemäß auf der Jagd und das Weib am heimischen Höhlenfeuer verortet sehen. Weniger kritisch und durch Zahlen belegbar sehe ich die These, dass Reisen „die populärste Form von Glück“ sei. Und wenn Wegfahren schon nicht geht, gestattet einem allein die Planung einer zukünftigen Reise vielleicht ein kleines Glücksgefühl.

Die Fakten

Breite: 19,5 cm. Höhe: 30 cm.

Ein weiteres Apothekentütchen, das gleich mit einer Besonderheit aufwartet. Auf der Textseite beträgt das Tütenmaß nur 28,5 cm. Mein Ingenieur vermutet, dass das feine Tütchen sich auf diese Weise leichter offenhalten lässt, um all die wichtigen Dinge einzuschieben, die in einer Apotheke zu erstehen sind.

Der Gesamteindruck – buntes Chaos.

Auf der Bildseite ist ein Paar von zwei wohlmeinenden Hinweisen eingerahmt. „Urlaub will gut geplant sein!“ heißt es oben. Unten die Ergänzung „Eine Reiseapotheke auch!“

Dazwischen ist ein Ehepaar mit dem ziellos wirkenden Herumkrauchen in einem Berg von Gepäck beschäftigt. Der Mann, schon als Urlauber kostümiert, trägt ein kariertes Hemd, eine kurze Hose und zünftige Hosenträger.

Man beachte die delikate Beinbehaarung.

Seine Frau, mindestens 15 Jahre jünger, turnt in enger Hose und knappem T-Shirt auf dem Kofferberg herum.

Vorfreude sieht anders aus.

Das Gepäck ist ein wüstes Durcheinander. Aber mir fällt auf, was ich vor einigen Wochen noch übersehen hätte: die derzeit so viel diskutierte Klopapierrolle.

Stets mit im Körbchen – die heißgeliebte Rolle.

Kommen wir zum Rätselteil dieser Ausgabe: Die Frau hat da etwas in der Hand, das der Zeichner/die Zeichnerin als besonders wichtig hervorhebt. So haben wir früher die Sonnenstrahlen gezeichnet. Ist es etwa eine Klorolle en miniature?

Was hat sie bloß gefunden?

Das war die unterhaltende Seite. Auf der anderen Seite gibt es die Lebenshilfe, hier überschrieben mit „Kleine Hilfe beim sorgfältigen Zusammenstellen Ihrer individuellen Reiseapotheke“.

Es folgt ein schier unendliche Liste, die erklärt, warum das Paar auf der anderen Seite so schrecklich viel Gepäck benötigt.

Als Checkliste gar nicht schlecht. Sogar mit Kringel zum Abhaken.

Unten noch der Hinweis für die Automobilisten: „Wichtig für Kraftfahrer: Wie alt ist Ihre Apotheke schon? Lassen Sie vor Antritt der Reise unbedingt vom Apotheker Ihre Autoapotheke überprüfen!“

Ein Schild in Urlaubsblau.

Quer zur Liste ist abgedruckt, wem diese freundlich-bestimmte Planungshilfe zu verdanken ist: Pro Pharma (GmbH+CoKG) Postfach 110128 4330 Mühlheim R/11

Diesen Arzneimittel- Versandanbieter gibt es nicht mehr in Mühlheim, dafür aber in Münster.

Kommentar: Sachdienliche Hinweise erbeten 😊

 

23 Kommentare

  1. Sehr guter Beitrag! Ich bin früher mit dem Fahrrad gereist somit habe ich mich beim Reisegepäck auf das wesentliche beschränkt. Das tue ich heute noch. Dank der Globalisierung gibt es überall alles und vieles ist überhaupt nicht notwendig.

    Was die Dame in der Hand hält könnte eine Notizrolle sein die es in vielen Haushalten früher gab…

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  2. Früher gab es Extra gehäkelte Klorollenetuis, die auf jeder Hutablage standen. Hier indiskret erwähnt:

    „Met ihre Autonummer op et Sofakesse dropjesteck,
    Dä Klopapierroll em jehäkelte Etui diskret versteck.“
    Die Frau hält eine Filmrolle für eine Kleinbild-Kamera in der Hand. https://www.youtube.com/watch?v=BeXHWIJJ0a8
    Und ja, ich erinnere mich an Zeiten in denen der halbe Haushalt mitgenommen wurde und der Käfer komplett überladen war.

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      1. Übrigens, seit ich die ersten Radreisen gemacht habe, (später auch Kanu oder Rucksack) brauche ich immer weniger Gepäck. Bei den Letzten reisen haben sich die anderen Teilnehmer immer über meinen relativ kleinen Rucksack gewundert, der nicht mal ganz voll war. Ich gehe einfach davon aus, dass ich unterwegs etwas waschen (lassen) kann oder nachkaufen.

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  3. Kein Heftpflaster, keine Hörlis. Es ist die Filmrolle, die in den Fokussi soll, der deswegen griffbereit auf dem Boden liegt und nicht schon im Korb mit der Rolle steckt.
    Apopo Platz sparen müssen und doch die nötigsten Utensilien dabei haben: ich drücke eine Rolle flach, auf der noch ein Gebrauchswert von 2 bis 3 Sitzungen vorhanden ist und stecke sie gegen Ausfasern in eine Hülle; bei mir ist das ein gewaschenes Katzenfuttersackerl – das ist innen angenehm glatt und wird umweltfreundlich mehrfachverwendet. Bei jedem Cafe/Restaurantbesuch o. Ä. wird bei Bedarf nachgewickelt – so hat man geringen Platzbedarf, alles dabei und staut kaum Luft. Bergsteigererfahrung … 😉

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      1. Im Prinzip wird die Tüte egal sein, solange es keine solche der Woche ist 😉 … früher tat’s auch ein Schuber aus Pappe bei mir. Nach gründlichem manuellem Säubern und einem Waschgang bei 30° riecht Felix nicht mehr … 😉

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  4. Opaschowski, der sogenannte Freizeitpapst, bei dem man sich oft fragt, in welche beschlagenen Kristallkugeln der guckt. Ich habe mal eine Studie aus Anfang der 90er Jahre von ihm gelesen, in der er prognostizierte, das Medium der Zukunft sei das Radio. Und dann kamen das Internet, MP3 und das Smartphone. Erkenntnisse von Zukunftsforschern haben wohl oft eine kürzere Halbwertszeit als die Voraussagen von Nostradamus.;-)

    Ich tippe auch auf gerolltes Heftpflaster – gibt’s das eigentlich noch?

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  5. Meine Vermutung: Ohrring, zum Klipsen.
    Und mein persönliches Lieblingsreisegepäck (fehlt auf diser Liste) war das Nordseemitbringsel eines Kindes für die Oma: eine Tüte frische Krabben, gleich am zweiten Tag in den Koffer gesteckt. Hamstern für Wagemutige. Da hätten auch gehäkelte Hüllen nicht geholfen.

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