Tüte der Woche Nr. 30

Ich glaube, als Erstklässlerin war ich das letzte Mal vor dem Schulbesuch so aufgeregt und erwartungsfreudig. Der Plan ist noch nicht da, aber es steht zu hoffen, dass ich am Donnerstag oder Freitag einige meiner Abiturienten treffen werde, die ganz dringliche Fragen zu besprechen haben, wie sie bereits per Mail mitteilten. Das mache ich, mit dem gebotenen Abstand, wirklich sehr, sehr gern. Zu diesem Anlass passt perfekt die folgende Tüte.

Die Fakten

Breite 34,5 cm. Höhe 50,5 cm.

Die Farbgestaltung auf der einen Seite kombiniert nur Weiß und Blassrot. Die Tüte ist bedruckt mit einem leicht schräg gesetzten und sich wiederholendem Logo.

Na, schon erkannt? Das Krönchen ist ein stilisiertes W.

Aus welchem Jahr die Tüte stammt, verrät die Überschrift:

Schulanfang ’83.

Was es mit diesem Jahr auf sich hat, habe ich schon mal hier beschrieben. Das Logo in größer mit rotem Kasten verweist auf die Herkunft:

WOOLWORTH

ein Weg, der sich lohnt

So der Slogan der 80er Jahre. 2009 lautete er Clever sparen! und 2015 Seit 1879! Zur Geschichte also gleich mehr.

Auf der anderen Seite wird die Überschrift in Anthrazit wiederholt. Passend zum Schulanfang ist abgebildet, was „die Wolly“ für die preisbewusste Kundschaft zu bieten hat: Wasserfarbe, Buntstifte, Wachsmalkreide und eine im Detail erläuterte „Utensilienbox“, die heutzutage genauso sperrig Schreibtisch-Organizer heißt. Völlig transparent wird mit den Preisen umgegangen, sie sind gleich mitabgedruckt.

Ein Traum in Pastellfarben.
Nicht datenschutzkonform: der öffentliche Hinweis auf das Geheimfach.

Wo war ich? Ach ja, Preistransparenz. Das war 1879 die revolutionäre Idee des Einzelhändlers F. W. Woolworth. Anstatt auf Wunsch der Kunden die Ware aus dem Regal zu holen und dann den Preis zu nennen, legte er alle Waren zum Anfassen und Vergleichen aus, alle waren mit Preisen ausgezeichnet. Außerdem führte er Pauschalpreise von 5 und 10 Cent (Five and Dime) ein und war damit historisches Vorbild der Ein-Euro-Läden. 1911 war Woolworth das größte Kaufhausunternehmen der Welt, die Baukosten von 13,5 Millionen Dollar für die Art-Deco-Verwaltungszentrale in New York soll F. W. in bar aus seinem Privatvermögen beglichen haben. Das ganze Geld, das später seine Enkelin Barbara Hutton erbte, machte diese nicht glücklich. Eine tragische Geschichte, nicht nur wegen der sieben Ehen, von denen jede sie einige Millionen kostete.

Das Unternehmenskonzept war so erfolgreich, dass ein paar clevere Geschäftsleute in Australien im Jahre 1924 den nicht geschützten Namen nutzen und „Woolworths“ daraus machten. Diese Kette, mit eigenem Konzept und Logo, ist immer noch erfolgreich.

Die Geschäftsidee überzeugte auch in Europa, Woolworth Deutschland wurde 1926 als Tochtergesellschaft im Hotel Adlon in Berlin gegründet. Seitdem hatte das Unternehmen eine wechselvolle Geschichte und einige Pleiten zu überstehen. Der Hauptsitz ist inzwischen in die Nachbarschaft nach Unna gezogen, auf der Firmenhomepage wird sehr selbstbewusst mit und für Expansion geworben.

Kommentar: Gerade ist der frische Stundenplan eingetroffen, ich muss mich noch bis zum Montag gedulden. Die Zeit werde ich auch brauchen, um die gefühlten 20 Seiten Sicherheitsregeln zu lesen und zu verinnerlichen. Aber dann! Ich gehe mir jetzt eine Schultüte mit Süßigkeiten kaufen:)

 

5 Kommentare

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