Tüte der Woche Nr. 32

Der Mai bietet sich dafür an, nein, der Mai fordert es heraus. Blüten überall, ihre Farben und Formen müssen festgehalten werden. Gerda wirft einen Blick auf die Pusteblume , Alice bedauert, den Duft von Flieder in der Fotographie nicht einfangen zu können. Hier wird eine Alliumblüte zum Star, dort posiert die Iris. Auch Rapsfelder, Schachbrettblumen und erste Rosenblüten habe ich gesehen. Zur blühenden Pracht möchte ich meinen Beitrag leisten mit einer Blüte, die nicht nur durch Äußerlichkeiten besticht, sondern bei vielen in der Nase den Duft vom Apfelschampoo hervorruft und auf der Zunge den seltsamen Geschmack einer angeleckten Rabattmarke.

Die Fakten

Breite: 35,5 cm. Höhe: 43,5 cm.

Vorderseite und Rückseite haben den gleichen Aufdruck.Die große stilisierte Blüte ist ein echter Eyecatcher. Die Mitte bildet ein orangefarbener Kreis von 9, 5 cm Durchmesser. Darum sind 12 schmale weiße Blütenblätter angeordnet. Diese wiederum werden umgeben von 12 großen grünen Blättern, 4 gespitzt, 8 abgerundet. Komplettiert wird die harmonische Blüte durch 8 hellgrüne Blätter an den äußeren Ecken.

Charmante Symmetrie.

Um was für eine Blüte handelt es sich? Die Presse ist sich in dieser botanischen Frage nicht einig. In einem älteren Artikel des Manager-Magazins ist von dem „Logo mit der Kamillenblüte“ zu lesen. Die Neue Osnabrücker Zeitung schrieb dagegen über „den bekannten Namen und das Gänseblümchen-Logo“.

Bevor ich da weitermache, erstmal zum Unternehmen, sicher schon längst von euch erkannt: Ihr Platz. Die Firma geht zurück auf die 1895 von einer Familie Frömbling in Osnabrück gegründete Seifenfabrik, die später das Seifen-Spezialgeschäft Wilhelm Puls übernahm. Daraus wurde dann Seifen-Puls oder offiziell Seifen-Platz. Die Umbenennung in Ihr Platz erfolgte 1973.Passend zum freundlichen Image wird die Kundschaft direkt unter der Trageschlaufe zur Umweltfreundlichkeit aufgerufen.Was ist denn nun mit der Blüte? Bei der weiteren Recherche stoße ich auf ein Buch mit dem Titel „Familienunternehmen erfolgreich sanieren“. Darin äußert sich auch ein Heinrich Frömbling. Das ist kein Zufall, denke ich. Über das Logo wird er etwas wissen, obwohl es mit der erfolgreichen Sanierung eher weniger geklappt hat, denn die dramatische Schlecker-Pleite riss damals auch dieses Unternehmen mit.

Herr Frömbling jedenfalls schreibt, dass Anfang der 70er Jahre mit einem professionellen Marketing begonnen worden sei, mit dem Logo einer stilisierten MARGERITENblüte. Na also. Diese wurde sogar als Anstecknadel produziert und in Gold oder Silber zum Arbeitsjubiläum verliehen. Herr Frömbling verschweigt nicht, dass zutiefst enttäuschte Jubilare im späteren Verlauf der Unternemenskrise ihre Nadel per Post an die Leitung zurückschickten.

Kommentar: Man kann sich heutzutage als Franchise-Nehmer wieder mit der Blüte schmücken. Vielleicht was für Nostalgiker.

12 Kommentare

  1. Ich erinnere mich, in dem Kaff, wo ich aufgewachsen bin, gab es auch einen solchen Laden, es war der einzige, wo man kostenlos auf einem Rüttelauto sitzen konnte. Der Name hat mich immer irritiert: Sollte es auf unserem „Platz“ nicht wenigstens etwas zu essen geben?

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