Tüte der Woche Nr. 34

Beim Blick auf die Tüte fiel mir zuerst ein alter Filmtitel ein, der in die Redewendungen Einzug gehalten hat, den ich aber nie gesehen habe. Nur dass Uschi Glas in „Zur Sache, Schätzchen“ mitspielte und seitdem das Diminutiv nicht mehr losgeworden ist, war mir bekannt. Hier geht es um die andere Verkleinerung, das Schätzlein.

Die Fakten

Breite: 36 cm. Höhe: 44 cm.

Vorderseite und Rückseite sind gleich.

Die Farbgestaltung ist auf Weiß, Orange und Korallenrot beschränkt.

In einem orangefarbenen Rahmen (unten und oben etwa 3 Zentimeter, an den Seiten 2 Zentimeter), verstärkt durch einen roten Streifen (1 cm) befindet sich oben in kursiven Druckbuchstaben der Firmenname: schätzlein.

Schlicht und markant.

Darunter sind 4 Symbole, die zeigen, was es zu kaufen gibt. Ganz links eine stilisierte Flasche, danach ein Apfel und ein unbestimmtes Päckchen, vielleicht Butter, sowie ein merkwürdiges Paket mit Schleifen, deren genaue Bedeutung sich mir nicht erschlossenen hat.

Die Recherche erweist sich als schwierig. Überall im Netz, das alles weiß, findet sich nur der Hinweis auf einen Georg Schätzlein, der seine Läden bereits 1929 an die Familie Werhahn verkauft habe. Die haben die Kette erfolgreich ausgebaut und weitergeführt, Ende der 80er Jahre kam es zum Verkauf, danach war schnell Schluss.

Ob zu viel Wert auf Qualität gelegt wurde? Ich stieß auf diese sympathische Anzeige.

Könnte man sich eigentlich mal wieder dran halten. Auch als Verbraucher.

Die Recherche wurde erschwert durch einen gleichnamigen Schlosser im süddeutschen Raum, der ein Werkzeugimperium gründete.

Mich interessiert der Gründer, ich recherchiere und finde wenig, auch nichts in der Stadtgeschichte von Mülheim an der Ruhr, wo die Sache begonnen hatte. Nun ist Mülheim der Ursprung so vieler wirtschaftlicher Schwergewichte, dass man Herrn Schätzlein einfach vergessen hat. Ich wende mich telefonisch an das Stadtarchiv. Herr Roepstorff, der stellvertretende Archivleiter, ist sehr freundlich und ausgesprochen interessiert. Er will da gerne mal nachschauen, kündigt aber an, dass es einige Zeit dauern könne. Bereits am nächsten Morgen bekomme ich die Kopie des Zeitungsartikels zum 50- jährigen Gründungsjubiläum vom 21.9.1972. Das Ehepaar, so heißt es dort, habe 1922 einen Handel mit Seifen, Fetten, Ölen und Bürstenwaren gegründet. Bereits 7 Jahre später besaßen sie 51 Filialen an Niederrhein und Ruhr. Warum hat Georg Schätzlein verkauft? Hatte er Probleme mit der Gesundheit (er starb 1938)? Machte ihm die Wirtschaftskrise zu schaffen? Erhielt er von Werhahn eines dieser „Angebote, die man nicht ausschlagen kann“? Diese Fragen müssen leider ungeklärt bleiben.

13 Kommentare

    1. Danke für das Kompliment! Das Österreichische wirkt von hier aus gehört sehr lustig, „Nylon“ klingt entweder nach anrüchigem Film oder Chemieunterricht und „Sackl“ sehr bäuerlich nach gewebtem Kartoffelsack. Das passt gefühlt überhaupt nicht zusammen:) Wie ist übrigens der Plural? Säckl? Nehme ich dann gerne als Schlagwort auf!

      Liken

      1. Nein, der Plural ist Sackln. (Säckl heißt auf Österreichisch Socken – oder auch Skrotum, je nach Konnex ; )
        (»Österreicher und Deutsche unterscheiden sich durch ihre gemeinsame Sprache.« – Karl Farkas)

        Gefällt 1 Person

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