Tüte der Woche Nr. 36

Ob ich noch beim Stadtmarketing angerufen hätte, um mehr über den Kaufring-Laden zu erfahren, will meine Mutter bei einem unserer Tüten-Telefonate wissen. Nein, hatte ich nicht, dafür war die Recherchearbeit in die Museen geflossen. Das stellt meine Mutter nicht ganz zufrieden und ich verspreche, beim nächsten Mal die örtlichen Besonderheiten stärker zu berücksichtigen. Als ich ihr die kommende Tüte ankündige, hat sie eine Menge zu erzählen. Dazu gleich mehr.

Die Fakten

Breite: 47,5 cm. Höhe: 56 cm.

Vorderseite und Rückseite sind gleich.

 

                                                       Da passt auch der große Karton rein.

Die Tüte ist dreifarbig gestaltet: Silber, Gelbgold und Blattgrün. Sie ist, ich bitte um Entschuldigung, farblich gesehen eine der hässlichsten Tüten in meinem Besitz.

Nicht schön, aber stabil.

Am oberen Rand punktet die Tüte allerdings gleich mit einem witzigen Wortspiel :

Schuh-verlässig kauft man bei

Es folgen im Wechsel drei grüne und zwei goldene Streifen sowie ein eingebetteter Kasten mit einem Logo und dem Text: Nord-West-Ring FORMA.

Ein Ring, wie beim letzten Mal. Wieder eine Einkaufsgenossenschaft, na sowas 😉

Gerade im letzten Jahr feierte der Nord-West-Ring, der heute neudeutsch ANWR Group heißt, seinen hundertsten Geburtstag. Schuhwareneinkaufsgenossenschaft eG hieß die Group 1919. Was auch immer sie erfolgreich gemacht hat, war nicht der Einsatz von Farbe. Trotzdem interessant, dass ich in der Tütenfalz erstmals ein ausdrückliches Copyright entdecke.

Kaum zu lesen. Aber sicher ist sicher.

Die Firma zitiert auf ihrer Webseite voller Stolz den Gründer August Blanke (1883-1948) mit einer fulminanten Aussage:

„Zwei Säulen tragen gleichgewichtig das Gebäude eines Verbandes – Achtung vor der Tradition und unbändiger Wille zum Fortschritt.“

So muss ein echter Unternehmer klingen! Von der Sorte habe ich gleich noch einen. Aber ich war noch gar nicht fertig mit der Beschreibung. Die Schuhe gibt es ja nicht beim Einkaufsverband, sondern bei:

SCHUH-GÖDDE das bekannte Fachgeschäft in Gescher.

Der alte Theo Gödde, so meine Mutter, sei ein sehr mutiger Unternehmer gewesen (in meinen Lehrbüchern heißen sie „risikofreudige Entrepreneure“), der oft seinen Arsch riskiert habe und für neue Ideen Vorreiter gewesen sei. Ein gebürtiger Holländer, wusste sie zu ergänzen, der damals in den 70ern, als das noch eine ganz neue Idee war, den Gescheraner Weihnachtsmarkt gegründet habe. Das Geschäft existiert nach wie vor und wird vom Sohn weitergeführt.

Kommentar: Wenn jetzt die Mehrwertsteuer gesenkt wird, liebe Leute, tragt das Geld in die örtlichen Fachgeschäfte und lasst das mit Zalando!

4 Kommentare

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