Schillerndes

Im Deutschkurs werfen wir einen Blick zurück auf die Themen des Schuljahres. „Unterwegs sein“ (ausgerechnet…) war die thematische Klammer für die Lyrikreihe zu Beginn. Welche Bilder sie zu diesem Thema im Kopf haben, möchte ich von meinen Schülern wissen. Ob es an der Eindrücklichkeit der eichendorffschen Romantik oder der Corona-Renaissance des Spazierens liegt, bleibt offen. Jedenfalls denken fast alle an einen durch Wald und Feld wandernden Burschen. Nur einer sieht eine Straße vor sich, und ein Auto, das auf ein zu entdeckendes Ziel zusteuert. Wo wir gerade beim Thema Sehnsuchtsorte sind, erkundige ich mich, ob jemand ins Ausland fahren wird. Kopfschütteln und Schweigen. Schließlich meldet sich eine Schülerin. Sie führen nach Bayern. Niemand lacht, ich auch nicht.

Abends höchste Zeit für’s Kino. Urlaubs-Flirts heißt die Juni-Ausgabe der Kurzfilm-Reihe SHORTS ATTACK! KURZE GREIFEN AN!. 10 Filme gibt es in 80 Minuten zu sehen, wer sein Kino unterstützen möchte, kann das auch online tun. Anschauen lohnt sich, besonders amüsiert haben mich die Animationsfilme. Wild love zeigt ein sehr verliebtes Paar beim Zelten in den Bergen. Unglückliche Zufälle sorgen dafür, dass die beiden den Tod eines Murmeltieres herbeiführen. Das ruft die Sippe auf den Plan und ein sehr lustiger Horrorfilm beginnt. Den blanken Horror erlebt auch der Flamingo. Er nimmt an einer riesigen Homo-Party teil und fühlt sich sehr fehl am Platz in Flamingo Pride. Während die Drinks, Partyspäße und Anmachversuche der anderen Flamingos ihn zunehmend anöden, schielt er begehrlich auf das brave Spießerleben auf der anderen Seite der Bucht – und hier besonders auf eine lang bewimperte Storchendame. Ob ein cooles Tigerkostüm sie überzeugen kann?

Ein Tiger spielt auch in einem Realfilm eine tragende Rolle. Er steht, eingesperrt in einen großen Zirkuswagen, quer auf der Straße und hindert das junge französische Paar an der Weiterfahrt. Die junge Frau mag Spiele mit dem Feuer. Sie zieht demonstrativ ihren Slip aus und wirft ihn in den Tigerkäfig. Wenn er sie wirklich liebe, solle er das Teil herausfischen, verlangt sie. Dann kommt der Filmmoment für die Deutschlehrer. Das sei wie bei dem Schillergedicht mit dem Handschuh stellt der junge Mann fest. Ob sie wirklich wolle, dass er für ihr Höschen sein Leben riskiere. Die Frau bejaht – und sie hat Schiller nicht gelesen. Na ja, ihre Plinte hat sie ja bekommen.

Fazit: Die ersten neun Filme ansehen und dann Urlaubspläne machen 😎

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