Tüte der Woche Nr. 39

Es empfiehlt sich in dieser Woche, einen kühlen Kopf zu bewahren. Zu diesem Zweck kann man seine Füße in einen Eimer mit Eiswasser stellen. Da das unterwegs – oder mit schickem Schuh – sehr unpraktisch sein kann, ist eine gute Alternative der Verzehr von Minze. In unseren Nervenzellen gibt es einen Rezeptor, der auf Kälte reagiert und diese Information zum Gehirn durchleitet. Dieses Protein reagiert in gleicher Weise auf das in der Minze enthaltene Menthol, was den Kühlungs-Effekt bewirkt. Hab ich mir gerade angelesen. Während ich meinen lauwarmen Minztee schlürfe, die Fakten.

Breite: 33 cm. Höhe: 42,5 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich.

Die Farbgestaltung bietet bereits erste Abkühlung, es dominiert der eisblaue Hintergrund, begleitet von einem blaugrünen Schriftzug, dessen Farbtemperatur von den Minzeblättern links und rechts wieder aufgenommen wird.

Nicht cool, aber kühlend: das Pfefferminzbonbon.

Der Slogan streckt sich in zwei Zeilen über die gesamte Tütenbreite, es werden klare Druckbuchstaben ohne Schnörkel verwendet: Kühle Frische, die schmeckt.

In der Mitte des Motivs wird das Produkt präsentiert, eine aufgerissene Packung von Velemint ohne Zucker, Wassertropfen weisen auch auf die Frische hin. Wer die Plättchen jemals gegessen hat, erinnert sich an das Gefühl im Mund, denn die schön glatten eckigen Bonbons hatten diese Kuhle in der Mitte.

Velemint? Hab ich im Geschäft schon lange nicht mehr gesehen…

Spannend für die Zunge: die Delle in der Mitte.

Das Velemint-Bonbon hat eine altehrwürdigen Geschichte, wie sich bei meinen Recherchen herausstellt. Ein Adolf Speck, Bankkaufmann, versüßte sich das Leben 1887 durch die Gründung der Ersten Badischen Dampfzuckerwaren- und Drageefabrik. Jahre später übernahm schließlich ein Karl Schindler, dessen Frau Emy und ihre Söhne führten die Firma ab 1952, sie hieß nun Rachengold-Werk. 1976 expandierte das Unternehmen sogar in die USA. Ragold hatte große Erfolge, zum Beispiel mit den Produkten Atemgold, Gletscher-Eis oder Granini – Bonbons. Laut Auskunft der firmeneigenen Seite soll Velemint das erste zuckerfreie Bonbon gewesen sein. Ab den 2000er Jahren gab es zunehmend wirtschaftliche Probleme, 2003 wurden zwei Kernmarken an den Konkurrenten Storck verkauft. 2005 wurde der Kernbetrieb in Karlsruhe geschlossen, einige Produkte werden unter ihrem alten Namen von anderen Herstellern weitergeführt. Die Familie selbst besitzt noch Firmen in Mecklenburg-Vorpommern, unschöne Geschichten von Betrug und einer absichtlich herbeigeführten Pleite sind zu lesen.

Fazit: Ich mach mir noch einen Tee. 😊

 

6 Kommentare

  1. Rachengold, Velemint – ich erinnere mich durch Deinen Eintrag plötzlich an eine Vergangenheit, wie Marcel Proust durch seine Madeleines. Mir war gar nicht bewußt, daß es das nicht nicht mehr gibt. Ein kühler Hauch scheint durch’s Zimmer zu wehen …;-)

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