Gebackenes

Vor Jahren erzählte ich einer Kollegin, mein Sohn habe Geburtstag. „Und“, meinte sie ganz freundlich und völlig ernst, „hast du ihm seinen Lieblingskuchen gekauft?“ In dem Moment war ich so verdutzt, dass ich nur den Kopf schütteln, aber nichts sagen konnte. Geburtstagskuchen und kaufen sind Begriffe, die in meiner Realität so wenig zusammen passen wie gemütlich und Mund-Nasen-Schutz. Überhaupt hat das Backen in unsere Familie große Tradition. Auch Brot ist dabei, als Schwarzbrot oder Rosinenzopf oder die englischen Buns aus dem Beitragsbild, neuerdings sehr beliebt zum Frühstück.

Kein Wunder also, dass wir uns bei der Vorschau einig waren, diesen Film sehen zu müssen. KINO-UPDATE.

Sehr schlicht BROT heißt die Dokumentation. Der Österreicher Harald Friedl hat lange recherchiert und viele Bestseller zur Ernährung gelesen, bevor er sich an die Umsetzung gemacht hat. Der Film beleuchtet das Thema anhand verschiedener Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern, was ihn so spannend macht. Dabei kommen die Philosophie und der Antrieb der jeweiligen Brotproduzenten gut heraus. Vom Marktführer Harry-Brot, dessen arme Toasts wie aus Massentierhaltung über die Backstraße laufen und dann einfoliert werden, über eine österreichische Biobäckerfamilie bis hin zu einem belgischen Konzern mit einer Sauerteig-Datenbank gibt es viel mehr zu sehen, als ich über Brot bisher gewusst habe. Spätestens bei der Vorstellung der Bäckereien in Paris möchte man vor Ort dringend eine Verkostung vornehmen. Oder eine  Brot-Genuss-Reise durch Frankreich machen. Man erfährt, warum Zeit eine der wesentlichsten Zutaten ist – oder ein Kostenfaktor. Gruselig wird es, wenn vom Brot der Zukunft auf dem Mars die Rede ist. Die Knackigkeit von Krusten ist ein Thema, auch der Getreideanbau und der Einfluss von Mikroorganismen. Der Regisseur hält sich mit Kommentaren zurück, die Kameraführung bleibt bedächtig, der Teig in seinen unterschiedlichen Beschaffenheiten spricht für sich.

Zum Film gibt es ein informatives und gut bebildertes Presseheft, das die Protagonisten detailliert vorstellt und ein ausführliches Interview mit Harald Friedl enthält.

Fazit: Wärmstens zu empfehlen.

18 Kommentare

  1. Oh ja, das Thema Brot. Sowieso. Ich sah auch irgendwann einmal ein Bericht über dieses Thema, weshalb wir nur bei einem kleinen Bio-Bäcker unsere Backwaren kauften. Dann kam mir die Idee, ich könnte das doch auch selbst und seitdem gibt es bei uns selbst gebackene Brote, Brötchen, Croissants und was sich sonst noch so backen lässt. So weiß ich genau, welche Zutaten sich im Gebäck befinden, was ich schon aus diesem Grund als ziemlich praktisch empfinde.
    Die Dokumentation habe ich allerdings noch nicht gesehen. Klingt schon sehenswert.

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  2. Im Geburtstagskuchen steckt doch die ganze Liebe, den muss man doch selber backen und dekorieren – also in meiner Welt.
    Und Brot backen gehört auch zu meinen Leidenschaften. Ich begann damit zu experimentieren, weil das Brot hier nie so schmeckte wie in Bayern oder Tirol. Doch erst jetzt seit ich mir das Brotgewürz selber zusammenstelle und Backmalz dazu verwende, schmeckt und riecht es original für uns. Noch dazu hält es die ganze Woche, wird nicht trocken, verliert kein Aroma. Neuerdings back ich auch Baguette öfter selber.

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  3. Die Tradition Brot zu backen ist völlig verloren gegangen und durch die immer mehr werdenden Bäckereiketten ist die Brotqualität auch noch zunehmend schlechter geworden. Ich habe mir den Trailer zur Dokumentation BROT angeschaut und finde, dass die Situation sehr gut dargestellt wird wie sich die Produktion unserer Lebensmittel verändert und was diese Art der Herstellung mit uns macht.

    Das französische Baguette hat lange Tradition. Da ich unmittelbar an der französischen Grenze wohne, muss ich leider sagen – das auch hier sich die Brotqualität verschlechtert hat. Das natürlich immer noch besser als das Deutsche ist. Danke für den Tipp…den werde ich mir in voller Länge anschauen. Lieber Gruß Maria

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  4. ich hab im Moment keinen Ofen. Meine Güte, das nervt… ich hab sonst immer „mal eben“ Brot oder Kuchen gebacken, und das geht jetzt nicht mehr. Dafür kann ich jetzt sußer Kühlschrankkuchen machen 🙂 Man wächst an seinen Aufgaben.

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