Tüte der Woche Nr. 41

Diese Ausgabe der Tüte der Woche widme ich meiner Oma, die vor einigen Tagen Geburtstag gefeiert hätte. Die Auswahl beruht auf dem Wörtchen „Kurpark“ auf der Tüte, denn meine Oma war häufiger zur Kur und an einige Spaziergänge im Kurpark kann ich mich erinnern. Hat sie mir mal diese Tüte mitgebracht? Schwer vorstellbar, meine Oma zwischen Räucherstäbchen, Glückskatzen und Pseudo-Jadesteinen. Doch zuerst die Fakten.

Breite: 29,5 cm.      Höhe: 41,5 cm.

Vorderseite und Rückseite sind gleich. Die Tüte hat seitliche Falzen von 2,5 cm. Ungewöhnlich ist die gummierte Verstärkung des Tragegriffs.

Macht einen stabilen Eindruck.

Was sollte man denn in Schwarz auf Zitronengelb nach Hause tragen? Als Aufdruck fallen in der Mitte schwarze Kästchen mit chinesischen Schriftzeichen auf, deren Bedeutung ich leider nicht ermitteln konnte.

Ist jemand kundig in Mandarin oder Kantonesisch? Übersetzungshilfe erbeten.
Viel Exotisches in deutschen Kurbädern.

In verkleinerter Form und farblich umgedreht tauchen die Zeichen neben dem Namen und den Anschriften auf. Das Asien-Haus wurde aus Bambus-Stäben zusammengebunden. Und was gibt es dort? Die Recherche zeigt, dass ich auf dem ganz falschen Dampfer war. Keine Fächer oder Glückskatzen gibt es hier, sondern 8 Kostbarkeiten oder Schweinefleisch Süß-Sauer. Damit ist die Beteiligung meiner Oma an dieser Tüte nahezu ausgeschlossen 😉 Die Restaurants finde ich in beiden Orten an der angegebenen Adresse nicht mehr, aber dafür eine alte Postkarte.

Mit herzlichen Grüßen vom China-Mann.

Das interessante Motiv fehlt noch, nämlich der doppelt abgebildete Drache.

Ist in der chinesischen Mythologie positiv besetzt und kein Monster.

Über den Drachen haben wir am Sonntag im Lackmuseum in Münster noch gelernt, dass die Anzahl der Krallen von großer Bedeutung ist. So darf nur der Kaiser Drachen mit 5 Krallen als Motiv verwenden.
Man hat dort einen Prunkschrank, dessen Drachenmotiv zwar etwas verblasst ist, dessen Krallen aber so zahlreich sind, dass zumindest ein sehr hoher Würdenträger vermutet werden darf.

Dass ein Drache in irgendeiner Weise etwas mit meiner Oma zu tun hat, ist nur ein Gerücht.

 

12 Kommentare

  1. Danke für den schönen Beitrag. Dein Beitrag erinnert mich an das letzte Wochenende. Wir fuhren nach Zürich und am Lui Vuitton Laden in der Bahnhofstraße stand eine sehr gut gekleidete Dame mit einer Einkaufstasche von Aldi in der Warteschlange. Es stimmt selten das ältere Menschen früher mit den Asiatüten rumliefen.

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  2. Dein Fundus an Tüten ist schier unerschöpflich. Eigentlich schade, dass diese gestalteten Tüten aus der Alltagskultur verschwunden sind. Und ein Glück, dass es Sammlerinnen wie dich gibt.

    Über deinen letzten Satz musste ich lachen.

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    1. Ich fand diesmal spannend, dass ein Restaurant „Asien-Haus“ heißt, so benennt man heute Museen. Die Restaurants haben gerne einen Wok, zumindest aber eine Lotusblüte im Namen. Ich hoffe, meine Oma verzeiht mir den Scherz am Schluss. Vermutlich hätte sie ihn mit einem mahnenden „Na“ kommentiert.

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  3. Ahhh….da hat also jemand vielleicht „Asia-Gerichte to go“ in dieser Tüte nach Hause getragen? Das wäre möglich. Ich erinnere mich, dass man sich in früheren Zeiten auch gern die „Reste“ des Essens, das man nicht mehr aufessen konnte, einpacken ließ. Vielleicht war das Mitnehmen mittels so einer Tragetüte möglich? Das würde ja auch die verstärkten Griffe erklären …

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  4. Ich frage mich, ob es in Kur-Städten als Ausgleich zur vermutlichen Diätkost in den Sanatorien Restaurants gab, wo man besonders üppig essen konnte. Ich war mal in Horn-Bad Meinberg – ein Städtchen, das in besseren Tagen wohl fast ausschließlich von seinen Kurgästen lebte – bei einem Griechen, wo die Mahlzeiten so üppig waren, daß man sie nicht aufessen konnte, begleitet von mehreren Gratis-Ouzos. Wir gingen dann sehr früh zu Bett, und das ist ja unbedingt gesundheitsfördernd. So war es vielleicht auch bei diesem Chinesen – am nächsten Tag konnte man in Bad Salzuflen heimlich noch die Reste des Vortags genießen, die man sich hat einpacken lassen, weil es einfach zu viel war.
    Erzählst du noch mehr vom Lack-Museum? Würde mich interessieren, wir sind schon ein paar Mal daran vorbeigelaufen, haben es aber nie geschafft, hineinzugehen, Münster ist einfach zu voll von Kunst und Sehenswürdigkeiten.

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  5. Mit deiner These, dass die Restaurants in Kurstädten sich besonders liebevoll um das leibliche Wohl der Gäste kümmern bzw. gekümmert haben, liegst du ganz auf meiner Linie. Nach einer Durchsicht des Tütenbestandes ist aber leider kein Grieche oder auch „Balkan-Grill“ mehr dabei, so dass die Forschungen in diese Richtung nicht weitergehen. Allerdings kann ich noch erzählen, dass ich mit meiner Schwester in einer Jugendkur war und meine Schwester Zusatzkost bekam, weil sie so dünn war. Das Essen schmeckte ihr aber nicht, so dass wir Care-Pakete mit Süßigkeiten von zu Hause erflehten. Als das Paket kam, haben wir eine Zimmer-Party gemacht:)
    Das Lackmuseum in Münster enthält sehr viele beeindruckende Expontate von Lack-Kunst aus aller Welt: China, Japan, Birma, Indien, aber auch aus Europa. Unter anderem ist ein Goldstreuverfahren sehr interessant, bei dem Puder unterschiedlicher Farbe und Krümelstärke auf den schwarzen Lack aufgeblasen wird. Auch Schnitzen in hunderte aufeinander aufgetragene Lackschichten ergibt beeindruckende Effekte. Der Eintritt ist meines Wissens noch länger kostenlos. Am Wochenende, bei uns war das der Fall, gibt es zwar keine Führungen, aber nette und kundige Mitarbeiter*innen stehen jederzeit zur Verfügung um ihr Wissen preiszugeben, falls man das in Anspruch nehmen möchte. So haben wir auch davon erfahren, dass edle Herren im alten Asien Lacktäschchen trugen. Da ist Prada nichts dagegen;)

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    1. Danke, das klingt wirklich interessant. Spontan dachte ich: Spätestens zum nächsten Skulpturen-Festival sehe ich mir das an – aber das ist erst 2027. Na, mal schauen, ob ich nicht schon eher mal nach Münster komme.

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