Mondsüchtiges

Bestenfalls 100 Leute am Tag, das Sommernachtskino auf dem Schlossplatz laufe zum Glück ganz gut, erzählt uns der Mitarbeiter im Cineplex. Das Kino mit seiner Leere gleicht um Viertel vor Zehn einer Mondlandschaft. Das wöchentlich erscheinende Kinoheft ist zu einem kopierten Zettel geschrumpft.

KINO-UPDATE. Hauptdarstellerin ist Natalie Portman, so gut, dass ihr Name zugkräftig sein sollte. Ärgerlich aber die in vielen Artikeln völlig falsche Etikettierung des Filmes als Science Fiction oder gar Fantasy. Diese Begriffe wecken Erwartungen, die Lucy in the Sky nicht erfüllen kann und gar nicht will. Das zweite mit uns im großen Saal sitzende Paar verlässt daher nach mauligen 15 Minuten zum Glück den Raum und wir haben den inhaltlich und optisch spannenden Film für uns.

Die Astronautin Lucy Cola ist eine toughe Frau, körperlich topfit, hochgebildet und extrem ehrgeizig. Auf einer Mondmission (sehr eng angelehnt an die NASA Flüge zu Beginn der 2000er) erlebt sie angesichts der Größe des Alls und der Schönheit der Planeten eine Art Erweckung. Oder ist es eher ein Zusammenbruch? Zurück auf der Erde kommt sie mit den Banalitäten des Alltags kaum zurecht, fühlt sich von ihrem harmlos-netten Mann unverstanden. Sie beginnt eine Affäre mit einem Kollegen, gleichzeitig setzt sie ihre ganze Leidenschaft dafür ein, bei der nächsten Mission in elf Monaten wieder dabei zu sein. Während der harten Trainingseinheiten kommt es zur (persönlichen) Katastrophe. In einer Unter-Wasser-Simulation soll sie ein Panel am Raumschiff austauschen. Der Helm erweist sich als undicht und sie erhält Befehl, die Übung abzubrechen. Doch Lucy bringt kaltblütig mit vollgelaufenem Helm die Aufgabe zu Ende und lässt sich erst dann von Rettungstauchern an die Oberfläche bringen. Der Verstoß gegen das Reglement und ihre coole Vorgehensweise hätten möglicherweise einem Mann den Ruf eingebracht ein Teufelskerl zu sein. Sie bekommt von ihrem Chef allerdings emotionale Instabilität bescheinigt und wird aus dem Programm genommen, was Lucy vollends aus der Bahn wirft. Und dann hat ihre Affäre selbst eine mit ihrer Kollegin und die Großmutter, für Lucy und ihren Bruder Mutterersatz, stirbt. Da kann man schon mal die Bodenhaftung verlieren…

Neben der spannenden, an das Schicksal der Astronautin Lisa Nowak angelehnten, Geschichte ist vor allem die hervorragende, suggestive Kameraführung von Polly Morgan hervorzuheben. Die Sicht AUF die Hauptfigur und der zunehmende Tunnelblick DER Figur selbst, die häufige Perspektive von Oben auf die Welt und den Alltag machen das Drama zu einem besonderen Erlebnis.

 

 

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