Tüte der Woche Nr. 44

Hatte ich nicht bei der letzten Tüte groß angekündigt, es ginge um Werbung mit Amerika und um Jeans? Ich bleibe dabei, obwohl es für alles zu warm ist und Eiswerbung mir vielleicht etwas Abkühlung verschafft hätte. Bevor ich noch mehr Schweiß produziere, weil ich bis morgen das mehrseitige Hygienekonzept zu verinnerlichen und vor maskierten Schülern zu vertreten habe, hier eine hochwillkommene Ablenkung.

Die Fakten

Breite: 38 cm.  Höhe: 43,5 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich.

Ist ja alles so schön bunt hier – der abwechslungsreiche Gesamteindruck.

Die Tüte macht Werbung für die Firma Mustang Jeans&Sportswear. Na, wenn das nicht amerikanisch klingt! Der Firmenname steht weiß auf einem feurig-roten Kästchen, das über die gesamte Fläche etwa 16 Mal auftaucht.

Die wilden Pferde der Prärie lassen grüßen.

Dazwischen locker verteilt sind die Logos von vier verschiedenen Produktlinien, die einen bestimmten Lebensstil verkörpern und den dazu passenden Style verkaufen sollen.

Ganz eindeutig aus der Vor-C-Zeit.
Eine namenlose Skyline einer Großstadt.
Der gute Elvis, ganz violett.
Sonne und Blitz – massenhaft Energie.

Alles sehr international (bitte ENGLISCH auszusprechen!).

Ich gebe den Firmennamen mal bei Google ein und bin perplex. Von wegen amerikanisch… Am 2. Mai 1932 gründete Luisa Hermann im fränkischen Künzelsau ein Textilunternehmen, denn der Holzhandel ihres Mannes lief schlecht. Sie nähten Berufs- und Militärbekleidung, was von der heutigen Warte aus als weitsichtig bezeichnet werden muss. Die Geschäfte liefen so gut, dass 1945 Sohn und Schwiegersohn in das Geschäft eintraten. Schwiegersohn Albert Sefranek war der Mann mit Pioniergeist. 1948 kaufte er in einer Frankfurter Bar 6 GIs ihre Jeans ab, für je eine Flasche Schnaps. Diese wurden Muster für die sogenannten Amihosen, die man fortan anbieten konnte. Sefranek hatte das mit dem American Way of Life schnell begriffen und sowohl den Markennamen als auch das Logo eingeführt und schützen lassen.

Am Anfang noch wilder, Etikett abfotographiert von der Firmenhomepage.

Bereits 1953, als das Tragen von Hosen für Frauen noch verpönt war, brachte er eine Damenjeans auf den Markt, genannt Girls Campinghose. Es folgte eine ökonomische Erfolgsgeschichte, zu der anlässlich des 75. Geburtstags sogar ein Museum im ehemaligen Wohnhaus der Gründerin eröffnet wurde.

Foto von der Museumswebsite, sieht sehr interessant aus.

In Familienbesitz ist die Firma nicht mehr, Herr Sefranek war aber lange vergönnt seinen Erfolg zu genießen. Er starb erst 2014 im Alter von 93 Jahren. Die Zentrale nennt sich strategisch Headquarter und ist umgezogen nach Schwäbisch Hall, klingt gar nicht so ungezähmt und kompromisslos, wie sie sich in der Firmenphilosophie darstellen. Aber vielleicht fühlt sich die Träger*innen der MUSTANG Jeans so. Das wäre ja schon was.

4 Kommentare

  1. Erst relativ spät gab es die schlanke Größe 90. Vorher passten die Coiwboyhosen mir schlecht. 😉 Es hieß, man solle sich mit ihnen in die Badewanne setzen. Dann würden sie auf die richtige Passform einlaufen. Leider liefen sie nur in der Länge ein, und ich hatte Hochwasserhosen.

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