Zungenbrecherisches

Finnisch? Um das zu lernen, wären für mich wohl mehrere Zyklen der Wiedergeburt erforderlich. Zumal mich auch diese Gegend der Welt nicht anzieht. Zu kalt, zu dunkel und kulinarisch… ich weiß nicht. Mich wundert es nicht, dass die Einheimischen nach anfänglichem Zögern auf die Kreationen eines chinesischen Kochs abfahren.

KINO-UPDATE. Ein mitteljunger, asiatisch aussehender Vater steigt mit seinem etwa 7-jährigen Sohn an einer Bushaltestelle in der finnischen Einöde aus. Dort geht er in ein Lokal und fragt in stockendem Englisch nach „Fongtron“. Keiner der alten Herren, die allesamt aussehen wie Waldschrate und Einsiedler, weiß etwas. Sirrka, die freundliche Besitzerin des Lokals, in dem es aktuell Kartoffelmatsche und Wurststücke mit Fertigsoße gibt, kann da auch nicht helfen, aber sie besorgt den beiden eine Übernachtungsmöglichkeit. Da die Frau irgendwie männerlos, der Mann einsam aussieht und der Junge emotional am Hungertuch nagt, liegt die Lösung auf der Hand. Regisseur Mika Kaurismäki tut dem Publikum den Gefallen, er sieht das nämlich auch so. Chu Pak Hong ist Koch Cheng, der seine Frau bei einem Unfall verlor. In Finnland möchte er sich bei Fongtron bedanken, der ihm aus der Krise half. Anna Maija Tuokko hat als Sirrka von ihrer Tante das Lokal geerbt. Sie kann zwar überhaupt nicht kochen, hofft aber doch, glücklich werden zu können. Sobald Cheng seine Kochutensilien einbringt, geht es mit dem Glück direkt los: die komischen Waldschrate machen Bekanntschaft mit den köstlichen Geheimnissen Asiens, das Lokal platzt aus allen Nähten und ganz nebenbei wird auch etwas für die Gesundheit getan. Das Wohlbefinden auch der Zuschauer ist angesichts der Köstlichkeiten vollkommen, allein mich macht das wochenlang unbeschulte Kind nervös. Nach einer Stunde und 54 Minuten hat Master Cheng in Pohjanjoki alle Klippen umschifft, das Kind wird die Fehlzeiten Dank glücklichem Vater und neuer Mutter schon wieder aufholen. Und Finnland im Sommer sah eigentlich doch ganz attraktiv aus…

12 Kommentare

  1. Chinesische Kinder werden ja schon vor der Geburt eingeschult, also hat der Lütte genug Vorsprung. * Vorurteil-Ende*
    Ich finde Finnland eigentlich ganz interessant. Also, im Sommer. Ich hatte mal finnische Kochrezepte, die haben mir gefallen (bis auf diese Fischpampe, die war gruselig).

    Gefällt 3 Personen

      1. Ich denke mal, dass passiert öfter. Ich les da gerne mit, aber bisher kann ich den Hund nicht so lange alleine lassen. Und… du liebe Güte, ich glaube, hier gibt es in mindestens 50 Kilometern Umkreis kein Kino…

        Gefällt 1 Person

  2. Oh, das wusste ich gar nicht, dass er einen Bruder hat, der auch Filme macht. Habe nicht genau gelesen. Jetzt muss ich aber gleich mal in meiner DVD-Sammlung gucken, ob ich da schon immer nur auf den Nachnamen reagiert habe. Mein Mann steht jetzt gerade neben mir und sagt: „Ja, klar, der hat einen Film über brasilianische Musik gemacht, den hab ich.“ 😀

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s