Erfundenes

Ohne Menschen mit Visionen könnte ich ja nicht tun, was ich mache, nämlich lustig auf meinem Smartphone einen Text schreiben, damit auch noch ein passendes Foto machen und gleich per Fingertipp in die ganze Welt versenden. Und das alles, ohne auch nur die geringste Ahnung davon zu haben, wie derlei wundersame Dinge funktionieren. Bei allem, was an Nicht-Funktionalität oft ärgert, bitte ich um eine achtsame Gedenkminute für all die Erfinder und Ingenieure, denen oft gar nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Nach Marie Curie sind jetzt konkurrierend zwei Männer im gleichzeitig im Kino zu bestaunen, die auch zu Lebenszeiten im Wettstreit lagen. KINO-UPDATE. Tesla heißt schlicht der Film, der sich nicht mit dem gleichnamigen Hipster-Auto, sondern dem Leben von Nikola Tesla beschäftigt. Ungewöhnlich wie die Hauptperson selbst ist auch die Erzählweise des Films. Eine junge Dame (Anne Morgan, gespielt von Eve Hewson) erzählt den Zuschauern vom Leben ihres Geliebten. Dazu gibt es viele Einspieler, kurze bis mittellange Szenen in Spielfilmmanier, aber auch eingeblendete Originalfotos oder Inszenierungen, die einer Theateraufführung gleichen. Es fällt daher nicht leicht, in die Handlung hineinzukommen. Dafür sind zwei Aspekte bereits zu Beginn völlig klar: 1. Nikola Tesla ist ein eher unsympathischer, von tausend Ideen in seinem Kopf getriebener Mensch. Seinen Mangel an Einfühlungsvermögen versucht Ethan Hawke mit einem angenäherten Mangel an Gesichtsmimik zu verdeutlichen. Wie dieser schräge Vogel zu einer Affäre mit dem damaligen Weltstar Sarah Bernhardt kommt, ist schon verwunderlich, aber vielleicht akzeptierten sie gegenseitig ihre Exzentrik.

2. Die Folgen der damaligen Erfindungen und Visionen bestimmen heute unseren Alltag. Unvermutet taucht ein Laptop im Bild auf, Softeis, ein Handy oder ein Mikro (leider singt Ethan Hawk dann auch noch…)

Ohne Mäzene und Investoren, so viel wird auch deutlich, hat die Erfinderei keine Chance. Labore und große Versuchsanordnungen müssen geschaffen werden, um beispielsweise Blitze einzufangen und ihre Energie umzuleiten. Patente müssen geschrieben werden, denn sonst macht sich ein anderer die Idee zu Nutze. In ironischer Haltung vermittelt der Film nebenbei, dass Elektrizität keineswegs nur zu Erleuchtungszwecken dienen kann, sogleich wird kräftig am Elektrischen Stuhl geforscht. Dass der Wettstreit zwischen Edison (Gleichstrom) und Tesla (Wechselstrom) genau daran festgemacht wird, unterstreicht die oft sarkastische Perspektive des Films. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto merkwürdiger wird die Inszenierung von Regisseur Michael Almereyda. Das passt insofern gut zu Nikola Tesla, weil seine Visionen immer skurriler, eigenartiger und unwissenschaftlicher werden. Mit seinen Ideen zur freien Raumenergie und anderem esoterischen Hokuspokus macht er sich bei seinen Geldgebern schließlich unbeliebt und stirbt verarmt.

Fazit: Wer lange nicht im Kino war, sollte nicht mit diesem Film starten. Nur wer sich für diesen genialen Denker und Gründungsvater der Parawissenschaften heiß interessiert, hat etwas von diesem Werk.

5 Kommentare

  1. Inzwischen versuche ich, Filme mit Ethan Hawke zu meiden. Er ist mir schon in der „Before …“-Trilogie zunehmend auf die Nerven gegangen. Ich halte ihn für völlig unalentiert und überschätzt.

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