Zeitgemäßes

Samstag, für mich der zweite und letzte Tag des Kultur-Events auf der Burg Hülshoff mit dem Schwerpunkt Fürsorge. Wie häufig bei solchen Veranstaltungen finden viele Aktionen gleichzeitig statt und man muss sich entscheiden. Das Wetter ist gerade schön und ich laufe erstmal zum Teehäuschen.

Dort soll „virtuelles Theater“ stattfinden. Was passiert, ist, dass ich von einer entzückend als Fliegenpilz verkleideten jungen Dame ein Tablet in die Hand gedrückt bekomme, mit dem ich die Gegend um das Teehäuschen erkunden soll. Ich laufe also auf den Bildschirm starrend herum, pflücke virtuelle Eicheln und Pfifferlinge und komme mir dabei etwas doof vor. Unheimlich finde ich zudem, dass der Park wegen der Verstärkung der Farben im Display schöner aussieht als „in echt“. Ich mühe mich eine gute halbe Stunde damit ab, nicht so schrecklich ALT zu sein… und fotographiere dann lieber die dicken Analogschnecken, die den Baum heraufkriechen.

Als nächstes besuche ich eine szenische Lesung. Zwei junge Künstlerinnen stellen, begleitet von Musik und Film, in einem Stall den Roman Niemand ist bei den Kälbern (2017) von Alina Herbing vor. Den Roman kann man nicht als leichte Unterhaltunglektüre empfehlen, was aber die Künstlerinnen daraus gemacht haben, ist bemerkenswert unterhaltsam und tiefgründig zugleich. So im Nachhinein gefällt mir der Roman trotz seiner morbiden Stimmung noch besser.

Nach einem lebhaften Austausch mit weiteren Besuchern des Events ist mein Bedarf an Kultur immer noch nicht gedeckt und es geht ab ins Kino. 😎

KINO-UPDATE. Der Blockbuster, auf dessen Start wir seit Monaten gewartet haben und der immer wieder verschoben wurde: TENET. Ein komisches Wort, dass soetwas wie „Glaubenssatz“ bedeutet. Es wurde aber wohl nur gewählt, weil es zur Gattung der Palindrome gehört und vorwärts wie rückwärts gelesen werden kann.(Kurz nach der Veröffentlichung dieses Beitrags bin ich da dank meiner gebildeteten Leserschaft schon wieder viel schlauer geworden. Ausführliches zum Wort Tenet und der Formel drumherum bei Jules von der Ley ) Darum geht es nämlich. Die Menschheit wird bedroht, und zwar von sich selbst. (Ach ja.) Ein Mann aus der Zukunft kommt, um in der Gegenwart der Zuschauer zu verhindern, dass die Menschen in der Zukunft..(Moment, war das nicht schon der ewige Auftrag von John Connor?) Streicht das, ich fange anders an. John David Washington spielt einen CIA – Agenten, der bei einem martialisch inszenierten Einsatz im Opernhaus Kiew beinahe zu Tode kommt und dann einen geheimnisvollen Spezialauftrag erhält. Dabei stößt er auf eine bisher unbekannte Waffe : den Zeitumkehrer aus Harry Potter. Der wird hier aber nicht magisch, sondern physikalisch erklärt : Es gelingt in der Zukunft, die Entropie von Objekten / oder Menschen umzudrehen, die sich dann in der Zeit rückwärts bewegen.

Das ermöglicht Regisseur Christopher Nolan atemberaubende Actionszenen, die Ludwig Göransson mit seiner Musik atmosphärisch verstärkt. Ganz schön anstrengend für Mensch und Material, dieses Hin und Her in der Zeit. Was bei mir nach 150 Minuten zunächst hängen bleibt, ist ein Wiedersehen mit Kenneth Branagh, der anscheinend fest auf die Rolle russischer Oligarchenfiesling gebucht ist, und mit Robert Pattinson, der endlich mal eine vernünftige Rolle als Agent hatte. Und die Klamotten aller Beteiligten, die waren erstklassig. Bestimmt habe ich eine Menge spannender Details übersehen. Fazit: Für einen Menschheitsbedrohungsfilm blieb mir die Bedrohung etwas zu vage. Intellektuell herausforderndes Action-Kino? Das hatte Nolan bei Inception grandios hinbekommen. Für TENET sollte ich wohl in der Zeit zurückgehen und mit dem neuen Wissen den Film erneut ansehen.

7 Kommentare

  1. Da ist mir Dieter zuvor gekommen: TENET ist das mittlere Wort der SATOR-AREPO-Formel Die ist ein magisches Qudrat, d.h. kann in alle Richtungen gelesen werden, von rechts nach links von links nach rechts von oben nach unten und umgekehrt.:
    SATOR
    AREPO
    TENET
    OPERA
    ROTAS

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