Tüte der Woche Nr. 47

Der Leseherbst naht, daher nun eine kleine Reihe mit Tüten zum Thema Bücher.

Sobald ich sicher lesen gelernt hatte, etwa Ende des ersten Schuljahres, wurde ich zum Bücherfresser. Ich wähle diesen Begriff, denn von Anfang an las ich unmäßig schnell, konnte und wollte mir keine Zeit lassen. Die örtliche Bücherei war ein lebenswichtiger Ort. Pro Woche lieh ich mir sieben Bücher, für jeden Tag eins. Und danach wieder. Und wieder. Ich las, wo ich stand, saß oder lag und hatte weder Zeit noch Lust, diese „frische Luft“ aufzusuchen, die angeblich so gesund sein sollte. Meine Mutter machte sich Sorgen, sie fragte eine Dame um Rat, die sich amüsierte, da meistens Mütter zu ihr kamen, deren Kinder partout nicht lesen wollten. Es wurde ein Kompromiss ausgehandelt, nur noch drei Bücher pro Woche. Ich löste dieses Problem, indem ich jedes Buch zwei Mal las. Doch nun

Die Fakten

Breite: 42 cm. Höhe: 39,5 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich, die Tüte hat durch die Lagerung starke Schäden erlitten, da sie dem Licht ausgesetzt war. Die Trageschlaufen sind nicht ausgestanzt, sondern zusätzlich mit Verstärkung angeschweißt.

Der Rand der Tüte ist weiß, der Hintergrund für Text und Motiv ist schwarz. Am linken unteren Rand sind stilisierte Bücher abgebildet, daneben steht Katholische öffentliche Bücherei.

Da kann man sich anlehnen.

Darüber ein schlichter Text, eine Aufzählung dessen, was in der Bücherei gemacht werden kann: lesen spielen Leute treffen  miteinander sprechen lernen. Nur die beiden ersten Begriffe sind durch einen Punkt getrennt, der Rest schwebt frei.

Hingucker der Tüte ist ein Kreis mit leuchtend orangen und gelben Querstreifen. Vor diesem Hintergrund sind 6 Figuren abgebildet, die sich alle in der Bücherei aufhalten.

Sieht fast modern nach Tablet aus.

Was ist wohl aus meiner alten Bücherei geworden? Ich finde sie gleich im Internet und schreibe den Leiter, Herrn Lerche, an. Mich interessiert die Historie der Bücherei, ob es Material gebe. Ich solle mal ganz konkret fragen, dass sei einfacher, antwortet er gleich. Und so erfahre ich, dass die Bücherei in Gescher schon seit 1852 existiert. Die Leiterin, die in den 70ern von meiner Mutter um Rat gefragt wurde, war – inzwischen mütterlich bestätigt – Frau van Bömmel. Der Bücher/Spielebestand lag zu der Zeit um die 14.000, jährlich gab es 35.000 Ausleihen. Der Bestand ist auf 31.500 Medien heute angestiegen, die Ausleihen liegen bei 120.000. Ich möchte noch wissen, woher wohl diese Tüte stammt. Herr Lerche vermutet vom Borromäusverein. Borro – was? Dazu mehr bei der nächsten Tüte.

3 Kommentare

  1. Die Borromäusbücherein sind die Büchereien der katholischen Kirche. Sie waren der Gegenpol zu den vielen privaten Leihbüchereien, die überwiegend Schund führten. In unserem Dorf wurde die Borromäusbücherei von meiner verehrten Grundschullehrein Fräulein Lamboy betreut. An einem grauen Novembertag hatte Fräulein Lamboy mich mal zu sich bestellt, weil ich ihr helfen sollte. Auf ihrem Wohnzimmertisch stapelten sich neue Bücher, die sie mit Rückenschildchen versehen und in Klarsichtfolie eingebunden hatte. Wir legten sie in einen Wäschekorb und trugen sie in die Bücherei. Dort räumte ich die neuen Bücher in die Regale, während Fräulein Lamboy die Karteikarten schrieb. Ich war glücklich außer der Reihe in dieser Wunderwelt der Bücherei sein zu dürfen. Geöffnet war die Bücherei nur Sonntags von 10 bis 12 Uhr. Anders als du lieh ich mit nur fünf BÜcher wöchentlich aus..Was es mit Borromäus auf sich hat, erfahren wir ja demnächst bei dir.

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