Genetisches

Nach dem Film führen wir die uralte „Anlage-Umwelt“ – Diskussion. Wieviel vom typischen Verhalten von Männern und Frauen ist angeboren/hormonbedingt und welcher Anteil ist anerzogen? Kann/muss man angeborene Verhaltensweisen, so sie existieren, dulden oder gar fördern? Oder darf man bewusst in die Gegenrichtung steuern, etwa als Erziehende? Wir einigen uns darauf, dass die Welt seit 1970 zwar kleine Schritte vorangekommen ist, es aber noch jede Menge zu tun gibt.

KINO-UPDATE. London 1970. Sally ist deutlich älter als die Mitbewerber rechts und links. Für ein Studium der Geschichte will sie sich einschreiben und muss ihre Beweggründe vor einer Kommission vertreten. Die Kommission stellt zunächst in Frage, dass ihre Mutterpflichten ein engagiertes Studium zulassen. Nebenbei machen sich die männlichen Herren Professoren den Spaß, die Kandidatin auf der guten alten 10 – Punkte – Skala einzuordnen. Sally (Keira Knightley) erhält eine achtenswerte 7 – und den Studienplatz. Das Studium verläuft nicht immer wie erhofft, als Sally zum Beispiel für eine Seminararbeit als Thema „Die arbeitenden Frauen“ vorschlägt, rät der Professor davon ab, sich mit einer Randgruppe zu beschäftigen. Die Uni-Geschichte läuft aber nur am Rande.

Denn der Film heißt Die Misswahl – Der Beginn einer Revolution. Etwas sperrig, der deutsche Titel, im Original lautet er elegant und doppeldeutig Misbehaviour. Regisseurin Philippa Lowthorpe hat mehrere Jahre recherchiert, Grundlage war die Autobiographie von Jennifer Hosten aus Grenada, die 1970 die erste schwarze Miss World (verkörpert von Gugu Mbatha-Raw, die zur Vorbereitung auf ihre Rolle die echte Jennifer traf und einige Wochen mit ihr verbrachte) und später Diplomatin und Unternehmerin wurde. Für sie ist die Teilnahme an der Misswahl ein wichtiger Schritt gegen den Rassismus, das gilt auch für die Kandidatin aus „Afrika-Süd“. Für die Feministinnen in London ist das als Familienunterhaltung verkaufte Spektakel ein Viehmarkt und Ausdruck des Patriarchats. An der Spitze dieser Männergesellschaft steht unter anderem der amerikanische Säulenheilige der Unterhaltung – Bob Hope. Auch auf seine Ehe mit Dolores wirft der Film einen Blick.

Fazit: Wie genau die wütenden Frauen gegen die Misswahl protestieren und was das für ihre Familien und die Teilnehmerinnen bedeutet, empfehle ich wärmstens, selbst anzusehen!

7 Kommentare

  1. Misswahlen sind wirklich entwürdigend. In den USA gibt es derlei schon für kleine Mädchen. Wie heißt nochmal der schräge Film mit dem Mädchen, das mit der ganzen verrückten Familie zu so einem Event fährt und grandios scheitert?

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