Französisches

In meinen vielen Jahren als Kinogängerin kann ich mich nur an zwei Filme erinnern, die ich vor Ende der Vorstellung verlassen habe. Einer davon heißt „Malina“ (ich habe Titel und Jahr nochmal gegoogelt), in den ich 1991 mit einer Studienfreundin gegangen war. Wir als intellektuelle Studentinnen der Germanistik fühlten uns quasi verpflichtet, diesen mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Film zu sehen, der dazu auf einem Roman von Ingeborg Bachmann basiert und bei dem Elfriede Jellinek Regie führte. Nach 20 Minuten demonstrierten Wahnsinns auf der Leinwand beschlossen wir, intellektuell hin oder her, unsere Lebenszeit nicht länger zu verschwenden und statt dessen in der Altstadt ein Bier trinken zu gehen. Warum erzähle ich das? Die Hauptrolle spielte damals Isabelle Huppert, zu der ich lange Zeit darum ein gespanntes Verhältnis hatte. Die Spannungen sind seit dem Wochenende vollständig ausgeräumt.

KINO-UPDATE. Patience Portefeux (Huppert) lebt in Paris und hat zwei erwachsene Töchter, deren Studium einiges kostet, genau wie ihre Wohnung. Sie hat Arabisch studiert und verdient ihr Geld nun damit, im Dienste der Polizei die abgehörten Unterhaltungen von Drogenhändlern und anderen Kleinkriminellen zu übersetzen. Möglichst oft besucht sie ihre Mutter, die trotz der Unterbringung in einem sehr teuren Pflegeheim unglücklich und unzufrieden ist. Nur eine Pflegerin weiß sie zu nehmen und kümmert sich liebevoll, auch wenn die Mutter beim Essen schimpft, sie habe nicht das KZ überlebt um „diesen Fraß“ zu essen. Wenigstens privat läuft es ganz gut, Patience ist zusammen mit dem frisch zum Hauptkommissar beförderten Ermittler, mit dem sie auch beruflich arbeitet. Eines Tages wird eine immense Drogenlieferung erwartet, Shit von geradezu überirdischer Qualität. Wie Patience heraushören kann, ist der Fahrer ausgerechnet der Sohn jener Pflegekraft, die für ihre Mutter so wichtig ist. Patience wechselt die Seiten und damit beginnt nun endgültig der Film. Als arabisch top – gestylte Patin mischt sie die Pariser Drogenszene auf und bringt ihren Hauptkommissar zur Verzweiflung.

Fazit: Eine Frau mit berauschenden Talenten bearbeitet eine nicht eben originelle Thematik mit französisch leichter Hand und verschafft einen amüsanten Abend mit einigen witzigen Überraschungen. Mein Verhältnis zu Huppert hat sich sehr verbessert 😊!

8 Kommentare

  1. Elfriede Jelinek schrieb das Drehbuch zu “Malina“, Regie führte sie indes nicht: das war der deutsche Regisseur Werner Schroeter. Isabelle Huppert schätze ich außerordentlich, aber “Malina“ konnte ich mir auch nicht zuende ansehen, und das liegt allein an diesem unerträglichen Mathieu Carrière. Da schalte ich schon ab, wenn ich dessen Visage in einem Film sehe bevor der noch den Mund aufmacht. Die “Frau mit berauschenden Talenten“ schau ich mir freilich (mit meinem ebenfalls cinephilen Mädel*) am Wochenende an, danke für den Filmtipp.

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    1. Ah, stimmt, da habe ich Drehbuch und Regie vor lauter erlesenen Namen nicht mehr richtig auf die Reihe bekommen. Mathieu Carriere ist hingegen aus meinem Gedächtnis völlig verschwunden, während der Geschmack von Pinkus Alt als schön süffig aufgeploppt ist. Viel Spaß im Kino!

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      1. Zum ersten Mal habe ich dank dir etwas von Pinkus Alt gehört, dachte zuerst, das ist ein Schauspieler. „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ würde ich mir gerne anschauen und dann gucken, wo es Pinkus Alt gibt, ersatzweise Sion-Kölsch trinken. Das gibt es nämlich in Hannover vom Fass. Die Abneigung des Kollegen Noemix gegen Mathieu Carriere teile ich. Das ist so ein theatralischer Mensch.

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  2. Kennst Du den Film „Die Klavierspielerin“ von Michael Haneke nach einer Geschichte von der Jelinek, in der Isabelle Huppert die Hauptrolle spielt? Grauenhaft, das möchte man sich kein zweitesmal ansehen. Aber gleichzeitig ist es sehr intensiv gespielt und inszeniert, der Huppert nimmt man ihre Rolle voll ab, und das spricht ja eher für sie, auch wenn man die Figur verabscheut.
    Über diesen Film habe ich in einer Fernsehkritik gehört, der einzige Schwachpunkt sei der blöde deutsche Titel. Das klingt doch sehr positiv und trifft Deine Einschätzung. Da ich Corona-bedingt im Moment nicht ins Kino gehe, warte ich halt auf die DVD, die bestimmt nicht lange auf sich warten läßt.

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