Messianisches

Von der Frage, was wir am Samstagabend machen sollen, erlöst uns die Email einer netten Kollegin, die wir letztens mit zu Huppert ins Drogenmilieu gelockt hatten. Diesmal soll es in den Wald gehen, ob wir da mitwollten? Aber immer doch.

KINO-UPDATE. Der junge Mann drückt dem Typen auf dem Boot noch ein paar große Scheine in die Hand, dann macht er sich auf den Weg in den Dschungel Borneos. Aus dem Off haben wir dank eines indigenen Sprechers schon die lokale Schöpfungsgeschichte gehört. Außerdem wissen wir, dass dieser ziemlich naiv aussehende junge Mann vom Volk der Penan als Geschenk ihres Gottes angesehen wird. Bruno Manser, so heißt der Schweizer, ist auf dem Weg, die verlogene, geldsüchtige Zivilisation hinter sich zu lassen. Endlich stößt er auf das nomadisch lebende Naturvolk der Penan, mit dem er ganze sechs Jahre zudammenlebt, ihre Sprache lernt und dabei fleißig Tagebuch führt. Mit der Idylle, in der sich sogar eine Romanze anbahnt, hat es ein Ende, als die malaysische Regierung mit der massiven Abholzung und Vermarktung von Tropenholz beginnt und den Lebensraum dieses und auch den der anderen Stämme vernichtet. Bruno ruft zur Einigung und zum Widerstand auf, nach anfänglichen Erfolgen setzt sich aber die Regierung mit Gewalt durch. Bruno verlässt seine neue Familie, um von der Schweiz aus als Menschenrechtsaktivist mit spektakulären Aktionen für den Erhalt des Regenwaldes zu kämpfen. Doch schließlich siegt die Sehnsucht und er kehrt zurück. Er trifft die Penan erneut, seit dem Frühjahr 2000 ist er verschollen.

Fazit: Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes. Eine spannende Lebensgeschichte wird in epischen 2 Stunden 22 Minuten vor den Zuschauern entfaltet. Etwas mehr Realität und weniger Messianismus hätte dem Film aber gut getan. Der Regenwald ist sowohl erstaunlich regen- wie auch insektenfrei. Von indigenen Völkern verstehe ich nicht viel, aber dass sie völlig gewaltfrei, stets lächelnd, planschend und befedert um Feuer tanzend als moralisch überlegen dargestellt werden, macht meine Kollegin und mich misstrauisch. Allerdings – der Blick auf den schrecklich malträtierten Urwald erzeugt schon eine gewisse Wut. Majestätische Bäume abholzen für Parkett oder im schlimmeren Fall sogar Grillkohle? Tropenholz bitte stehen lassen, wo es hingehört. Wenn überhaupt, dann nur mit Zertifizierung verwenden!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s