Tüte der Woche Nr. 61

Symptomatisch für die diesjährige Vorweihnachtszeit, denke ich so im Stollen, äh, Stillen, als ich den Tütenbestand nach weihnachtlichen Motiven durchforste. Ganz unbekümmert hatte ich die besonders hübschen Motive im letzten Advent alle vorgestellt – ohne die Knappheit der Kapazitäten zu bedenken.

So bleibt, was uns allen zur Einstimmung bleibt, nämlich der Einkauf im Supermarkt. Der konnte dann wiederum mit mehr Unterhaltungswert aufwarten, als ich erwartet hatte. Doch zuerst die Fakten.

Breite 35,5 cm. Höhe 43 cm.

Die Tüte ist weiß grundiert mit farbigem Aufdruck. Am rechten oberen Rand liest man den Namen in blauen großen Druckbuchstaben: EDEKA. Unten links verweisen zwei gereimte Zeilen auf den Anlass: Zum Feste das Beste.

Die Farbe gehört zum Unternehmen – und passt so gar nicht zur warmen Farbwahl der Tüte.

Die mit bunten Streuseln verzierte Hefebrezel und der beschleifte Sekt gemahnen wohl bereits an Silvester.

In einem frotzelnden Spiegel-Artikel zum Sektkonsum aus dem Jahre 1964 heißt es, dass bei billigen Tank-Produkten die Sonderwünsche von Großabnehmern feinfühlig berücksichtigt würden. So trägt das „Schloss“ in der Namensgebung ein Sekt, der nie ein solches sah.

Doch die oberen vier Nahrungsmittel sind ganz klar weihnachtlich.

Walnüsse, sehr gesund – hab ich jetzt im eigenen Garten. Lebkuchen – wurde mir gebacken 😊.

Bleiben noch die beiden anderen, bei denen ich mich fragte, warum sie als weihnachtstypisch gelten.

Bei näherer Betrachtung eine sehr holzige Gans. Schwer zu füllen und nicht ideal im Backofen.

Die Weihnachtsgans, erfahre ich, ist eigentlich eine Martinsgans. Nach altem katholischem Brauch beginne nach dem 11. November und somit nach Sankt Martin eine adventliche Fastenzeit, deren Ende an Heiligabend durch die zweite Gans markiert werde. Die Gans sei übrigens in gans, äh, ganz Europa verbreitet, mit jeweils unterschiedlichen Beilagen, in Schweden etwa mit Rotkohl und Apfelmus, im Elsass mit Sauerkraut und Bratwurstfüllung.

Neben der Holzgans ist noch eine pralle Apfelsine abgebildet, von der ich zuerst finde, dass der Name ein Lehnwort aus dem Holländischen ist, nämlich „Apfel aus China“. Das ist ja noch keine Erklärung für den Weihnachtsbrauch. Erst der mit Verve in Angriff genommene massenhafte Anbau der „süßen Orange“ in Valencia ab ca. 1790 bringt Schwung in die Sache. Die Ernte der Früchte im Herbst und Winter beschert den verfrorenen Nordeuropäern Gerüche von Sommer und Sonne. Allein die exotische Farbe lässt sie in jedem Kolonialwarenladen zwischen Kaffee und Kakao verheißungsvoll leuchten.

Und damit sind wir wie von selbst wieder bei Edeka, dessen Geschichte 1907 in Leipzig begann, als sich 21 Genossenschaften zur E. d. K. zusammenschlossen, der Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler. Nach 1911 folgte die Umbenennung zum heutigen Edeka.

Der Vollständigkeit halber ein Blick auf die Tütenfalz.

War immer gut versteckt damit es niemand lesen musste.
Eine FERMA gibt es noch, die macht aber Risikoanalysen und keine Tüten.

Ich wünsche allen einen schönen dritten Advent und einen hoffentlich entspannten Einkauf. Werde mich jetzt über den Lebkuchen hermachen.

7 Kommentare

  1. Etymologisch erwähnenswert dass der frühneuniederländische “appel sina“ / neuniederländische “appelsien“, von dem sich das dt. Lehnwort Apfelsine ableitet, im heutigen Niederländisch gar nimmer so heißt, sondern “sinaasappel“.

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