Tüte der Woche Nr. 69

Ich freu‘ mich wie ein Schneekönig. Oder eine – königin? Soeben haben wir jedenfalls die Küche schneeweiß gestrichen und bekommen am Sonntag womöglich sogar echten Schnee zu Gesicht. Wer weiß, vielleicht reicht es für einen zweiten Schneemann, nachdem der erste recht schnell vom Tauwetter dahingerafft worden war. Dazu passt perfekt diese Tüte mit den Farben von Schneewittchen: weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz.

Die Fakten:

Breite: 36 cm. Höhe: 45 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich. Hingucker der Tüte ist ein freundlicher Märchenkönig mit Zackenkrone, langem Mantel und politisch nicht mehr korrektem Hermelinkragen. Mit seinen für eine gezeichnete Figur typischen vierfingrigen Händen (Das weiß ich von Jules 😊.) gestikuliert er, um mit dem Betrachter in Kontakt zu treten.

Ist er nicht nett? Man beachte das Spitzbärtchen und die kleinen roten Wangen.

Der König hebt den Zeigefinger und verweist mit der anderen Hand auf die Sprechblase. Dort steht in roten Buchstaben Porst Königsbilder und darunter kleiner und schwarz Spitzenqualität aus eigenem Labor.

Was sind Königsbilder, habe ich mich gefragt. Die Internetseite verrät es: exklusive Haptik, höchste Farbbrillanz, garantierte Lebensdauer und Lichtechtheit. Na dann.

Aber ich komme vom Thema ab. Hanns Porst, verraten mir Wikipedia und eine Seite zur Firmenhistorie übereinstimmend, gründete mit jungen 23 Jahren in Nürnberg 1919 einen Fotoladen. Gute Marketing-Ideen hatte er auch: Weil er kein Geld für konventionelle Werbung hatte, bemalten Freunde und Bekannte über Nacht den Gehweg großflächig mit seinem Namen. Später kam er auf die bis dahin noch nicht verbreitete Idee, nachts das Licht im Schaufenster anzulassen. 1960 übernahm Sohn Hannsheinz die Geschäftsführung. War er auf Märchen hereingefallen oder selbst ein Märchenerzähler? Mit Verwunderung lese ich, er sei Mitglied der FDP gewesen, gleichzeitig aber auch Mitglied der SED und Spion für die DDR. Das ist mir zu kompliziert, zurück zum Geschäft. Trotz zahlreicher Bemühungen musste Photo Porst 2002 Insolvenz anmelden. Die großen Konzentrationen im Markt kamen auch schon mal bei Tüte der Woche Nr. 27 zur Sprache.

Damit keine Zweifel aufkommen, markiert der Markenname groß und schwarz den unteren Tütenrand: Photo Porst. Natürlich MUSS „Photo“ so geschrieben werden, weil es zum P in Porst viel besser aussieht. Und überhaupt ist das schön, weil es an den griechischen Ursprung erinnert, der zur Übersetzung „Lichtbild“ führt.

Der wertvolle Name indes wurde damals gekauft von Ringfoto, während Kodak einen anderen Teil übernahm. Und wenn sie nicht gestorben sind, belichten sie noch heute. Königlich natürlich.

2 Kommentare

  1. Das mit dem zweiten Schneemann sollte geklappt haben…

    Photo Porst war doch früher auch auf dem Prinzipalmarkt, Ecke Syndikatsgasse – dachte immer, die kämen aus Münster. Wenn ich es richtig vor Augen habe, ist dort heute immer noch ein Fotogeschäft – nun mit anderem Eigentümer.

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  2. Die Schneemassen waren so überwältigend, dass wir zu einem Schneemannbau noch nicht gekommen sind. Wir mussten uns erst wieder freigraben… Mal sehen, vielleicht am Wochenende, der Schnee wird ja bleiben.
    Und richtig, heute ist am Prinzipalmarkt Foto Erhardt.

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