Tüte der Woche Nr. 71

Hustenanfall? War schon immer unangenehm. Manchmal ist nur ein Krümel verantwortlich, mal ein kleiner Infekt. Aktuell trägt einem ein kräftiges Husten keine mitleidigen Blicke ein. Und nur Wahnsinnige oder Superhelden würden einem hilfsbereit auf den Rücken klopfen. Dafür hat man den Gang im Supermarkt ganz spontan für sich allein. Aber das führt schon wieder zu weit weg vom Thema.

Die Fakten:

Breite 19 cm. Höhe 27 cm.

Es handelt sich um ein kleines Apothekentütchen, auf dem beidseitig für ein Produkt geworben wird.

Harmonisch in warmen Herbstfarben: Maisgelb, Orange, Kastanienbraun, verstärkt durch Schwarz, Weiß und Beige.

Das Produkt Aspectonetten ist, wie das kleine eingekringelte R zeigt, als Marke geschützt. Zusammengesetzt ist der Name aus „Aspecton“ , das es noch in anderen Formen gibt, und „Tabletten“. In der linken oberen Ecke wird der Kunde direkt angesprochen:

Mit vier Wörtern ist die Anwendung schnell erklärt, das Wörtchen hustenfrei wurde zur Illustration des Durchgeschüttelt-Werdens buchstabenweise in drei oder vier Teile geschnitten.

In der unteren rechten Ecke wird der Nutzen des Produktes erklärt: mit Sofort Hustenstilleffekt.

Mit der Rechtschreibung hält man es hier wie viele meiner Schüler: wichtige Wörter immer schön Groß schreiben 😉

Auf der anderen Seite setzt sich die harmonische Farbgebung fort. In der Mitte ein angepasster Auszug aus dem Beipackzettel, auf dem das Wort „Masernhusten“ auffällt, der zum Glück so gut wie ausgestorben sein dürfte.

Rechts oben ein kleines schwarzes Quadrat, das Logo der Firma Krewel. Unten der Hinweis auf die Niederlassung: Eitorf, mit der noch vierstelligen Postleitzahl 5208.

Die Geschichte der Krewel-Werke beginnt bereits 1893 in Köln mit Apotheker August Krewel. 1922 übernimmt ein Herr Dr. Blank, dem anscheinend die Erfindung eines wahren Wundermittels, Analgit, gelingt. Das Zeug verkauft sich wie warme Semmeln und erfordert eine Fabrik.

Heute heißt die Firma KrewelMeuselbach, denn man hat sich 1996 mit der thüringischen Traditionsfirma vermählt.

Was ist denn nun mit den Lutschtabletten? Bei der Suche stoße ich zuerst auf zahllose Berichte und Untersuchungen von Zahnärzten, die mit grausigen Bildern vor der Dauerbezuckerung der Mundhöhle warnen, was schließlich bei diesem und verwandten Lutsch-Produkten zu Rezeptänderungen führt.

Die Werbestrategie wird mehrfach überarbeitet, zuerst ist ein rotes Nashorn hoch im Kurs…

…dann wird es verbannt, weil völlig unklar sei, welcher Zusammenhang zu einer Erkältungskrankheit bestehen solle.

Die Rechte für die Husten-Produktpalette werden 2019 an die Firma Hermes verkauft. Die hat – mit oder ohne Nashorn – wahrscheinlich ein gutes Geschäft gemacht.

Gesundheit!

2 Kommentare

  1. Das Nashorn-Logo war das langjährige Key-Visual von Krewel-Meuselbachs Erkältungs-Dachmarke Aspecton [*]. (Vielleicht weil es Aspecton auch als Nasenspray gab?)
    2015 wurde die Marke von der neuen Marketingleiterin relauncht und das Logo entfernt, sie sagte: »Das Nashorn als Werbeträger ist bereits weg: Ich habe nie verstanden, was das Tier auf einem Erkältungsprodukt zu suchen hat.« [*] (Seite 3 unten)

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s