Tüte der Woche Nr. 73

Gewidmet ist diese Tüte Friedel Drecker, die im April 2011 im Alter von 91 Jahren verstarb. Sie war ein Waisenkind und wuchs hörbar in der Gegend von Berlin auf. Man hatte sie staatlicherseits in eine Lehre zur Geflügelzüchterin gegeben, von der sie nicht sonderlich begeistert war. Im zweiten Weltkrieg war sie als Lazarettschwester tätig und lernte dabei ihren späteren Mann kennen. Der muss als Soldat schlimme Erfahrungen gemacht haben, denn häufig schrie er im Schlaf, so dass das Paar getrennte Schlafzimmer hatte. Ich lernte die beiden als Studentin kennen und kam ein bis zwei Mal in der Woche zum Putzen und Kaffeetrinken. Wie es das Paar nach Münster verschlagen hat, weiß ich leider nicht mehr. Aber Zeit ihres Berufslebens in Münster hatte Frau Drecker jeden Geflügelhof und alle Tiere gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Sie war stolze Karstädterin gewesen, hatte dort viele Freundinnen und fuhr mit ihnen weg, als sie ihren Mann noch allein lassen konnte. Damit zu den Fakten.

Breite 22,5 cm. Höhe 34,5 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich, die Farbgestaltung beschränkt sich auf die Farben weiß, magenta und kobaltblau.

Auch ohne Grün sehr frühlingsfrisch.

Die Farbkombinationen ist beliebt, ich finde sie auch bei anderen Karstadt-Tüten im Netz.

Der frische Strauß, wie eben gepflückt, besteht aus großen Blüten, vielleicht Anemonen. Am Stil das Karstadt – Logo und der Firmenname in großen Druckbuchstaben.

EOW = End of week passt super zum Freitag, bedeutet aber vermutlich was ganz anderes.

Die Geschichte von Karstadt erfüllt alle Anforderungen an einen Wirtschaftskrimi. Ein weiteres Buch, das ich mal schreiben könnte… Sie beginnt 1881 mit Rudolph Karstadt, der in Wismar sein Manufactur,Confections- und Tuchgeschäft eröffnet.

1929 eröffnet das Unternehmen in Berlin eines der bis dahin größten Kaufhäuser der Welt mit zeitweilig bis zu 4000 Beschäftigten.

Während der Wirtschaftswunderjahre boomt das Geschäft, doch dann setzt eine Abwanderung der Kunden ein. 1999 entsteht durch Zukauf und Konzentration ein Gigant, Karstadt, Quelle, Hertie, Neckermann und weitere angeschlagene Riesen fusionieren. Die Wirtschaftswoche bezeichnet das in einem Artikel als Beginn der Kernschmelze, die zum großen Teil auf Managementfehler zurückzuführen sei.

Thomas Middelhoff, der Karstadt mit zu Arcandor gemacht und dann endgültig in den Ruin getrieben hatte, ist sicher noch ein bekannter Name.

Karstadt geht nach mehreren Anläufen im Jahr 2018 mit Galeria Kaufhof zusammen, auf dass der Lahme den Blinden stütze. Inzwischen hat man sich unter einem Insolvenz – Schutzschirm verkrochen. Ob da noch wieder was erblühen kann, ist fraglich.

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