Tüte der Woche Nr. 74

Gestern nutzte ich eine gut liegende Pause (kein Regen, kein Wind, keine Videokonferenz), um schnell noch einmal in dem Geschäft ein paar Sachen zu kaufen, das in Kürze schließen wird. Die Paketdienste aller Art drängeln sich dafür auf unserer Straße, nicht ein Haushalt, der da völlig abstinent geblieben ist. Asche auf unsere Häupter. In einem Zeitungsartikel lese ich, dass es auch auf den Weltmeeren aktuell drängelig ist und vermehrt zu Havarien kommt, weil die Containerschiffe bis zum Platzen ausgelastet sind. Nun muss man eingestehen, dass auch ja unsere Fachgeschäfte nicht nur mit regionalen Bio-Fernsehern handeln oder Toaster aus ökologisch verantwortlicher Bodenhaltung verkaufen. Aber für die Händler und auch für den Ort macht es doch einen Unterschied, wo und wie gekauft wird…

Die Fakten

Schön groß ist die Tüte, da passt was rein. Breite: 41 cm. Höhe: 42, 5 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich. Verwendete Farben: weiß, schwarz, knallrot.

Die Kernaussage besteht aus vier Worten, jedes in Großbuchstaben und jeweils in einer Zeile. Der Text ist schräg gestellt und verläuft diagonal über die Tüte. Das unterstreicht den Statement-Charakter:

ICH KAUFE IM FACHHANDEL

Der selbstbewusste Kunde gibt an, worauf er beim Einkauf (der hier noch nicht „Shopping“ heißt) achtet.

Die Aussage wird geschickt durch die rote Umrahmung unterstrichen.

Warum der Kauf im Fachhandel attraktiv ist, wird mit drei Begrifen weiß auf schwarz in der linken unteren Ecke beworben: QUALITÄT, SERVICE, LEISTUNG.

Auffällig: eine Werbung, die überhaupt nicht über den Preis spricht.

Was der Fachhandel alles zu bieten hat, ist in den eingekästelten Logos zu sehen. Ich habe identifiziert: Weingläser, Minibackofen, Kochtopf, Capuccinotassen, Kaffeemaschine, Staubsauger, Kaffeeservice, Waschmaschine, Außenbeleuchtung, Sonnenschirm und -stuhl, Grill, Herd, Deckenleuchte, Glühbirne und Stecker sowie einen Blitz für alles Elektrische.

Die Haushaltswarenzeitung bedient sich mit Unterstützung frischer Frühlingsfarben noch ganz ähnlicher Logos.

Bei nochmaliger Betrachtung fällt auf, dass die Anlage der Kästchen nicht zufällig ist. Sie bilden ein „H“ und ein „G“ für Hausgeräte.

Von wem mag wohl diese Tüte ausgegeben worden sein? Bei meinen Recherchen stoße ich die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels. Die erzählt auf ihrer Webseite von der Gründung am (nanu, das passt ja wieder) 13. März 1919. Der 100. Geburtstag im Jahr 2019 war schon nicht ganz sorgenfrei, sondern von „Umbrüchen und Herausforderungen“ gekennzeichnet, wie man schreibt. Auch spricht man von „Wandlungsfähigkeit und Mut zur Veränderung“. Wie unbedingt lebensnotwendig diese Eigenschaften am morgigen Geburtstag des Verbandes für den Einzelhandel sind, konnte da noch niemand ahnen.

12 Kommentare

  1. Ich kaufe auch im Fachhandel, sofern er denn offen ist. Dieses Jahr war nicht offen. Die Klamotten und die Winterschuhe waren durch, also musste ich doch online bestellen, unter Vermeidung von Amazon. Klamotten kamen von Land’s End. Huch, tatsächlich eine britische Firma ohne deutsche Dependance. Ein Pulli hing im Zoll fest.
    Die Schuhe kamen von Zaqq. Echte deutsche Wertarbeit.

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      1. Als ich jung war, also ganz jung, gab es in der Computerzeitschrift Kleinanzeigen, über die man Computerspiele bestellen konnte. Also, Kopien von Computerspielen, wie mir nach dem Preis eigentlich klar sein hätte sollen.
        Das war vor dem Internet, also mussten auch Urheberrechtsverstösse noch postalisch versandt werden. Ich hatte etwas aus der Schweiz bestellt und bekam tatsächlich einen Brief vom Zoll. „Mist,“ dachte ich, „da wird sicher gleich die Polizei warten.“
        Aber neugierig war ich trotzdem, also ging ich mit eingeübter Unschuldsmine zum Zoll. Der Zollbeamte wollte aber nur wissen, wieviel ich für das Päckchen bezahlt hatte, was naturgemäß nicht viel war. Also zollfrei. Einen schönen Tag noch.
        Gut, dass die Behörden nicht immer miteinander kommunizieren.

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      2. Alle Schuhe außer Pantoffeln sind Outdoorschuhe 😏Ich trage sie draußen. 2019 habe ich die ersten Barfußschuhe erworben. Leguanos. Mit dem Erfolg, dass sich meine Arthrose so im Zaum halten lässt. Nur die taugen nicht für den Winter. Im Herbst hatte ich mir schon Winterbarfußschuhe gekauft: Groundies, die taugen aber auch nicht für den Winter. Zaqq kannte ich auch nicht, der Tipp kam von der Fjonka https://fjonka.wordpress.com/2021/02/24/endlich-schuhe-die/
        Oder meintest Du Land’s End? Das sind auch keine Outdoor Klamotten. Auf die Marke hatte ich mich irgendwann mal eingeschossen, weil sie die Klamotten nicht nur in verschiedenen Größen, sondern auch in jeweils verschiedenen Farben anbieten. Ich musste mich also nie mit den Trendfarben schweinchenrosa oder öffentlichetoilettengrün befassen, so lange ich bei Landsend noch blau, rot oder grün bekommen konnte. Einkaufsbummel sind für mich ja eine Strafexpedition, weil ich stundenlang durch die Stadt rennen kann und nichts finde. Was mir gefällt passt mir nicht, was mir passt, gefällt mir nicht, was mir gefällt und passen könnte mag ich nicht anfassen. Von Schuhen ganz zu schweigen.

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