Tüte der Woche Nr. 79

Distanzunterricht, Präsenzunterricht, Wechselunterricht…kein Pappenstiel, was sich mein Lieblingsmimysterium gerade wieder überlegt. Ich komme ins Schwitzen und so ist es kein Wunder, dass mir in meinem Tütenstapel der Begriff Schweißbahn ins Auge fällt. Genau sowas läuft mir gerade…aber gemach. Auf der Tüte geht es gar nicht um unangenehme Gerüche oder Körperpflege.

Die Fakten

Breite: 35,5 cm. Höhe: 35,5 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich, die Tüte besitzt keinen eingestanzten Tragegriff, sondern einen Klipp-Griff aus Hartplastik.

Die Tüte ist weiß mit schwarzem und orangefarbenem Aufdruck.

Die Schweißbahnen, von denen bereits die Rede war, stammen von kebu, hervorgehoben durch den Fettdruck und die leuchtende Farbe. Das kleine eingekringelte R ist wieder der Hinweis für die eingetragene Marke. Das Internet informiert mich freundlicher Weise darüber, dass mit bitumengetränkten Schweißbahnen Dächer abgedichtet werden. Ahh, jetzt verstehe ich auch die Anspielung sind nicht von Pappe!

Voll von der Rolle, die gute Dachpappe.

Mit Steinkohleteer hat man diese Art der Abdichtung früher hergestellt. Klingt giftig, ist es auch. Das Wortspiel interessiert mich aber mehr als die Chemie. Ich erfahre (und bin überrascht), dass „nicht von Pappe sein“ nichts mit dem Material zu tun hat, sondern sich auf den mundartlichen Ausdruck von Brei (Papp / Pappe) bezieht. Die Bedeutung ist demnach, a) nicht weich wie Brei zu sein oder b) nicht zart wie ein Kleinkind zu sein, das noch mit Brei ernährt wird.

Links wird ein Logo in der Signalfarbe hervorgehoben, rechts in Schwarz die komplette Anschrift.

Auch von der Rolle, dafür aber dicht;)
Sehr standorttreu, die Firma, allerdings hat sich die Telefonnummer geändert. Und Telex, was war das nochmal???

Erfreulich, erfreulich, die Firma gibt es, sie präsentiert sich im Internet und hat eine Seite zur Historie. Außer einem sehr spärlichen Hinweis zur Gründung im Januar 1933 steht da aber wenig… Auch die Stadt Herten hat anderes zu tun, als ehemaliges Herz der Kohleförderung beschäftigt man sich damit, auch mit der braunen Vergangenheit, aber nicht im Zusammenhang mit diesem Betrieb. Und was heißt eigentlich ke-bu? Da es gerade schon wieder hagelt (wohl dem, der stabile Schweißbahnen auf seinem Flachdach hat) und mein Spaziergang deswegen ausfällt, kann ich auch genauso gut anrufen. Einen netten Herrn habe ich am anderen Ende, der sich zuerst über mein Plastiktütenhobby amüsiert, aber dann sehr auskunftsfreudig ist. Die Gebrüder Ketzer und Busch, erzählt er, hätten sich mit Korrosionsschutz, mit Farbexperimenten und mit Bitumen beschäftigt und schließlich die Kebulin – Gesellschaft gegründet. Ich beklage mich, dass darüber auf der Homepage nichts zu lesen sei. Der Herr stimmt zu, es sei schon länger in Planung, hier mal eine Überarbeitung vorzunehmen.

Apropos Überarbeitung, das Stadtarchiv Nürnberg war so freundlich sich zu melden, ich hänge den Brief an den letzten Tütenbericht an. Liest wahrscheinlich eh wieder keiner, ich kenn doch meine Pappenheimer 😉

2 Kommentare

  1. Ich bin sofort zur Tüte Nr. 78 geeilt, um den Nachtrag des Stadtarchivs Nürnberg zu lesen.

    Erstens, weil ich immer wieder von hilfsbereiten Archiven beeindruckt bin.
    Und zweitens, weil ich als Bloggerkollege finde, dass man viel öfter in ältere Artikel gucken sollte. Wir schreiben schließlich für die Ewigkeit, nicht für den Tagesgebrauch!

    Gefällt 2 Personen

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