Friesisches

Frisch ausgerüstet mit einem negativen Schnelltest machen wir uns positiv gestimmt erneut Richtung Nordsee auf, diesmal per A 31, dem Ostfriesenspieß. Eigentlich hatte ich mir zunächst als Ziel die Kunsthalle Emden ausgeguckt, doch die Webseite verriet, dass da nichts zu holen war. Also planten wir um, mehr Zeit ein und fuhren nach Wilhelmshaven.

Schon die Hinfahrt war herrlich, das Wetter viel besser als angedroht und auf den letzten 30 Kilometern blühte überwältigend der Rhododendron.

Sogar der Löwenzahn, von mir als Ritzenvegetation auf der Terrasse weniger geschätzt, machte auf den Kuhwiesen gute Laune.

Am Helgolandkai angekommen überfielen uns Wellen von Glücksseligkeit. Geöffnete Außengastronomie. Beseeligt lächelnde Menschen schlenderten den Südkai herauf und herunter um sich dann ein Eis, ein Bier oder – wie wir – eine Bratwurst zu gönnen und die Nase in die Sonne zu halten.

Später besuchten wir dann das nahezu menschenleere Küstenmuseum.

Über die Brücke auf die andere Seite, in Sichtweise das Marinemuseum.

Eine Führung, die leider nicht angeboten wurde, hätte bei der Würdigung der Ausstellung sicher geholfen. Zumindest haben wir aber mitgenommen Eindrücke einer Sturmflut, des Lebens an der Küste, der Entwicklung von Wilhelmshaven. Mein Mann erfuhr noch beruhigender Weise, dass aktuell 15 Millionen Tonnen Rohöl als Notreserve gelagert sind, während ich mich mit den Nachkriegsgeschichten aus dem Alltag befasste.

Von wegen gute Seeluft, Malaria war hier früher stark verbreitet….

Eine Sonderausstellung „Von Kolonie zu Kolonie – Tsingtau und Wilhelmshaven“ beleuchtet die Gemeinsamkeiten der als Kolonien geplanten Städte und die bis heute andauernden Verbindungen.

Schickes Souvenir vom Dienst in China – Seidenstickerei mit Foto.
Damals gegründet, noch heute beliebt: helles und dunkles Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot.

Besonders inspirierend fand ich die Geschichte von Elise Troschel, die gegen alle Widrigkeiten ein Medizinstudium aufnahm, 1898 promoviert wurde und schließlich einige Jahre in Tsingtau praktizierte (später auch wieder in Deutschland), während der kaiserliche Hofbaurat vor Ort wichtiger Bauplanungstätigkeit nachging.

So, zum Abschluss des Ausflugs wollen wir uns noch einen Kaffee servieren lassen, den Test gerne ein drittes Mal vorzeigen, und halten zu diesem Zweck auf dem Rückweg in Wiesmoor.

In der örtlichen Eisdiele dürfen wir miterleben, dass die Friesen immer noch lieber tot als Sklave irgendwelcher Gesundheitsapostel und Schlankheitsfanatiker sind. Drei männliche Endzwanziger am Nebentisch haben vor sich einen großen Milchshake und eine Monsterportion Spaghettieis. Schade, denke ich, das muss man dann alles wegschmeißen. Von wegen. Während ich an meinem Cappuccino schlürfe und eine halbe Waffel esse, werden sämtliche Behältnisse bis auf den Grund geleert. Dann wird die Bedienung gerufen, nicht etwa zum Bezahlen, sondern für den Nachschlag, worüber sich außer uns niemand zu wundern scheint. Es werden zwei weitere Eisbecher, eine Waffel und ein Espresso zum Herunterspülen bestellt.

Alle Achtung! Wie schön ist es doch, wieder dabei sein zu können, wenn Menschen Außergewöhnliches leisten.

4 Kommentare

  1. Dein begeisterter Bericht verleiht mich zum Nachschauen, wie weit Wilhelmhaven von uns entfernt ist. Wahrscheinlich eine Tagesreise. Schade. Zu weit. Aber nicht zu weit für ein Gedankenspiel :-).

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  2. Ein schöner Ausflug – von dem ich nun endlich erfahren habe. Hatte mich offenbar – ganz unabsichtlich! – aus der Liste Deiner Follower rausgeklickt. Bin wohl mal bei den „Likes“, als ich den Link zu Deinem Blog nutzen wollte, abgerutscht, ohne es zu merken. Wenn man hier nicht aufpasst wie ein Schießhund!

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