Tüte der Woche Nr. 87

„Wir brauchen ein Kassler, ein Viertel Kinderwurst, ein Stückchen Kalbsleberwurst, ungefähr so lang, und 10 Scheiben jungen Gouda, aber dünn geschnitten, musst du sagen, sonst schneiden sie da so dicke Planken ab.“

Meine Mutter schickt mich flux zum Einkaufen des Abendessens, ein Auftrag, den ich als große Schwester gerne ausführe, obwohl mir die Sache mit dem „dünn schneiden“ manchmal peinlich ist zu sagen und ich auch den Einkaufszettel schon mal ungefragt um Kartoffeln erweiterte. Obige Besorgung wurde jedenfalls sehr häufig dort erledigt, was keineswegs überall in Deutschland möglich ist. Aldi, Lidl, Edeka und REWE scheiden damit schon mal aus.

Die Fakten:

Breite 36 cm. Höhe 43,5 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich. Die Tüte ist im Hintergrund weiß, der Aufdruck ist auffällig blau und orange.

Die Tüte fällt auf durch ein symmetrisches Dreieckmuster als Rahmen um den Werbespruch und das Firmenlogo.

In der Werbung soll blau für Zuverlässigkeit und Frische, orange für günstige Preise stehen. Ideale Kombination für einen Supermarkt.

Über 215 Märkte in einem Umkreis von etwa 150 Kilometern rund um Gronau versorgen die Gegend mit Lebensmitteln. Gegründet haben die Kette die Kaufleute Hans Klaas und Hermann Kock als Großhandel für Süßes im Jahre 1950. Schnell entstehen kleine Tante-Emma-Läden, dann große Märkte. Immer mit regionalem Bezug. Logistikzentren werden aufgebaut und vergrößert.

Der alte Slogan verrät die Herkunft: im Westfälischen wird aus dem „r“ ein langes „a“, das sich auf „K+K“ bestens reimt 😊

K+K ist immer noch ein familiengeführtes Unternehmen, beachtenswert bei den harten Bandagen, mit denen in der Lebensmittelbranche gekämpft wird.

Ich würde noch gerne wissen, was es mit der Auswahl der Farben und Formen auf sich hat und rufe in der Zentrale an, wo man mich freundlicher Weise in die Werbeabteilung durchstellt. Dort meldet sich Frau Wölki und vor Schreck verstolpere ich mein Tütensprüchlein. Frau Wölki mit ö hat aber mit dem Kirchenmann mit oe nichts zu tun. Ich frage also nach Farbe und Form, worauf Frau Wölki ihrerseits einen Schreck bekommt. Seit 1977 sei sie in der Werbeabteilung, aber danach habe noch niemand gefragt. Sie verspricht, den Verantwortlichen von damals zu kontaktieren und fragt sogar bei der Geschäftsleitung nach. Vier Tage später ruft sie zurück und bedauert, dass sie den Herrn nicht erreicht und auch sonst keine Informationen dazu erhalten habe. Ich dürfe mich aber gerne bei den Infos der Webseite bedienen, was ich hiermit tue um darauf hinzuweisen, dass K+K nicht nur Geschäfte macht, sondern auch Mitbegründer und Hauptsponsor des inzwischen über die Grenzen hinaus bekannten Jazz-Festivals Gronau ist.

Von diesem Jahr ein Stream – Mitschnitt, im nächsten Jahr wieder richtig. Da können wir uns dann auch dickere Scheiben gönnen.

5 Kommentare

  1. Ein schönes Design ist anders, finde ich. Und wenn man sich vorstellt, dass diese Muster gar mal als Tapeten herhalten mussten…
    „Kinderwurst“….Gab es in der alten Dorfmetzgerei auch. Manche Kinder aßen nur mal ein Butterbrot, wenn es mit dieser belegt war 😉

    Gefällt 1 Person

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