Besegeltes

Eigentlich waren wir gut in der Zeit. Nervös machte mich gestern Nachmittag nur, dass ich mein Handy vergessen hatte, was ich sonst nie vergesse. Zu dumm. Dann aber war die Anfahrtbeschreibung schwurbelig und der Verkehr dicht. Mit Mühe erreichten wir den beschriebenen Parkplatz um viertel vor fünf und machten uns flux zu dem Steg auf, wo der Skipper auf uns warten sollte. Tat er aber nicht. Auch kein anderes Paar in Sicht, das auf eine Bootstour wartete, nur diverses Strandjungvolk in überdurchschnittlichen Schönheitsgraden. Wir liefen wie Falschgeld rechts und links herum, zankten uns ein wenig und gingen dann zurück zum Auto. Mit der Absprache musste etwas schiefgelaufen sein, was wir aber nicht erfahren würden, denn ich hatte ja mein Handy vergessen. Viertel nach fünf. Wir kramten die Kontaktdaten aus dem Auto und ich rief mit dem Handy meines Mannes an, erreichte aber nur die Mailbox. Dann halt nicht. Wir machten uns betrübt auf den Rückweg. Kurz vor der Autobahn klingelt das Handy, unser Skipper fragt, wo wir seien, er sei am Treffpunkt und würde warten. Ich versuche zu erklären, dass wir ihn nicht gesehen hätten. Am Ende der zweisprachigen Umständlichkeiten sagt er, dass er wartet und wir fahren in einem Affenzahn zurück. Gar nicht so leicht, einmal verfahren wir uns. Auf der richtigen Zufahrtsstraße versperrt uns eine sehr gemächlich trottende Kuhherde den Weg. Mit zerrütteten Nerven parken wir das Auto und eilen zum Steg. Dort wartet Nicolas, der sich vermutlich schon seit Jahrzehnten über nichts mehr aufgeregt hat, mit einem Mann samt Mutter, die sich auf eine Tour im Golf du Morbihan freut.

Wir segeln auf dem Nachbau eines traditionellen Transportschiffes, von denen bis zu hundert früher Getreide, Schafe oder Menschen zwischen den vielen Inselchen und dem Festland hin und her gebracht haben. Das Gebiet ist schwierig zu besegeln, wegen der unterschiedlich starken Strömungen, den Gezeiten sowie der Winde.

Hart am Wind? Besser nicht, sagt der Skipper, sonst könnte der Mast brechen.

Wir genießen den Ausblick auf die vielen kleinen Inseln. Attention, des vagues! ruft der Skipper des Öfteren und meistens geht es gut. Aber auf dem Rückweg erwischt mich doch eine tückische Welle und macht mich linkerseits klatschnass.

War vielleicht doch gut, dass ich mein Handy nicht dabei hatte 😉

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