Mystisches

Gestern vormittag, zu Beginn unseres Fahrradausflugs, begegnete uns eine als harmlose Joggerin getarnte Druidin. Hätte es uns misstrauisch machen müssen, dass sie uns gleich auf Deutsch ansprach? Dass sie uns nach einem oberflächlichen Blick auf unsere Karte riet, einen anderen, viel schöneren Weg als den eingezeichneten zu nehmen? Bei der Gelegenheit könnten wir auch den Dolmen von Crucuno besichtigen. Den WAS? Wir beide räumten ein, derlei nie gehört zu haben. Die Druidin schüttelte bedächtig den Kopf. Dann wären wir in die Geheimnisse der Bretagne ja überhaupt nicht eingeweiht. DOLMEN würden oft als prähistorische Grabstätten beschrieben, seien aber kultische Orte. Sie wünschte uns einen schönen Tag und Abenteuerlust. Tja, so aufgeschichtete Steine halt, dachte ich leichtsinnig und landete mit meinem rechten Fuß, der in einem weißen Sneaker in weißer Socke steckte, in einem schwarzen Schlammloch, als ich fürchtete, mein Fahrrad würde umkippen.

Dolmen von Crucuno – die 40 Tonnen schweren Deckplatte muss ein Riese aufgelegt haben – oder ein Zauberer.

Ich dachte mir bei dem Schuh nichts weiter, einfach dumm, zu einer Fahrradtour weiße Schuhe zu tragen. Die brennenden Mittagsstunden verbrachten wir am Strand um auf dem Rückweg noch MENHIRE zu besichtigen. In verschiedenen Formationen aufgestellte Steine von wer weiß wo, deren Bedeutung man immer noch nicht geklärt hat.

Ja, aha, Steine. Bei der Besichtigung stelle ich mich dumm. Der bretonische Boden zeigt daraufhin, was er an magischen Kräften zu bieten hat. Ganz schlau trage ich nämlich nicht mehr die Sneaker, sondern leichte Gummi-Strandschühchen. Geschickt weiche ich mit dem Rad einer Baumwurzel aus und stoße mir den linken großen Zeh an einem bis dahin unsichtbaren Stein. Sehr heftig. Wir setzen unsere Tour fort, während der Zeh so vor sich hin pocht.

An der Kapelle des heiligen Laurentius halten wir an.

Auf meine Frage, ob er da was für mich tun könne, sagt er, Schätzlein, sagt er, du darfst ein Foto von mir machen. Ansonsten fühle ich mich nicht mehr für dich verantwortlich, gar nicht.

Da kann ich nicht widersprechen. Weil ich aber unerlaubt Kontakt zu Gegenseite aufgenommen habe, stoße ich mir den lädierten Zeh gleich noch mal.

Der Abend verläuft wunderbar und friedlich im Hafen von Etel, das Essen schmeckt, wir spielen eine Partie Boule (einer humpelnd) und genießen den Sonnenuntergang.

Mein Zeh gehört zum KLEINEN BLAUEN VOLK. Ab jetzt sind wir Ein- geweihte.

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