Ungebeugtes

Für die Wochenendbeilage der Zeitung haben sie diesmal eine interessante Interviewpartnerin aufgetrieben, die Russischlehrerin von Angela Merkel. Besonders bemerkenswert an diesem Interview ist zweierlei : Frau Benn ist überzeugtes Mitglied der Linken und hat deswegen eine politische Haltung. Frau Benn lässt sich mit ihren über 80 Jahren außerdem nicht aufs Glatteis führen und retourniert die Fangfragen des Journalisten souverän. Weder lässt sich eine persönliche Vorliebe oder Abneigung gegen Angela Merkel, noch eine Eigenschaft der Kanzlerin herauskitzeln, die bisher unbekannt war. So bleibt als Fazit, dass Angela Merkel schon immer extrem fleißig und nicht überheblich war. In dem gestrigen Film taucht Angela Merkel nur kurz am Schluss auf. Belustigend ist hier vor allem ihr dezent amüsierter Gesichtsausdruck in der Elefantenrunde 2005, während Schröder noch davon schwadroniert keine Angebote machen zu wollen.

KINO-UPDATE. Für diesen Film möchte ich den Männern Torsten Körner (Regie) und Leopold Hoesch (Produktion) ausdrücklich danken. Sie haben zusammengetragen, wie die Beteiligung der Frauen an Macht und Politik sich in der Bundesrepublik entwickelt hat. Zuerst fährt die Kamera ganz in Ruhe alle menschenleeren Zentren der Macht ab. Dann Fotos von historischen Ereignissen und Männern, Männern, Männern in schwarzen Anzügen. Dann kommen Frauen ins Spiel. Dazu werden Größen wie Ingrid Matthäus-Maier, Rita Süssmuth und Christa Nickels interviewt und immer wieder in Verbindung gesetzt zu Originalmitschnitten aus Bundestag und Fernsehen (die Journalisten sind in ihrer Wortwahl gegenüber den Politikerinnen… unaussprechlich peinlich). Am Beispiel von Hildegard Hamm-Brücher als liberaler Ikone wird die von Männern in Gang gesetzte moralische Verzwergung der FDP dargestellt. Als heutige Frau, die sich eigentlich ganz emanzipiert fühlt, bin ich völlig ergriffen von dem Mut und der Souveränität, mit der Waltraud Schoppe, Christa Nickels oder Renate Schmidt ihre Ansichten vertreten, während ihnen die ganze Zeit hämische Bemerkungen zugerufen werden. Petra Kelly, ihre Ausstrahlung und ihre Beeinträchtigungen durch das chauvinistische Klima im Bundestag werden auch nachgezeichnet, ebenso die unverschämte Unterschätzung die Zeit ihres Lebens Hannelore Kohl zuteil wurde. Es ging eben nicht um die unterschiedlichen politischen Vorstellungen, sondern um die Haltung gegenüber den Frauen, die plötzlich mehr als Dekoration sein wollten.

Lachen und empört sein wechseln sich in Die Unbeugsamen regelmäßig ab. Ein extrem unterhaltsamer Blick in die Geschichte – und ein Appell in den Bemühungen um Gleichberechtigung nicht nachzulassen.

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