Tüte der Woche Nr. 91

„Nä“, sagt meine Mutter am Telefon. In Dülmen sei sie eher weniger zum Einkaufen mit uns gewesen, eher in Coesfeld oder Münster. Und ob ich sicher sei, dass da ein -t am Ende sei und kein – s. Ja, da bin ich sicher. Die jeweiligen Urlaubsberichte verschieben wir auf den baldigen Frühstückstreff. 😊 Nun zuerst die Fakten.

Breite: 34 cm. Höhe: 43,5 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich. Auf der an den Seitenrändern und am Haltegriff weißen Tüte ist die Zeichnung eines knallroten Rucksacks bzw einer Tasche mit Schnallen und Lasche in Tannengrün abgebildet.

In der Mitte in vier Worten die Information MODE AM MARKT ahlert.

Drei Zeilen, drei Schriftarten. Nicht ideal.

Mode Ahlert frage ich im Internet an und werde, im Gegensatz zum letzten Mal, gleich mehrfach fündig. „Urvater“ des Ganzen ist der 23 Jahre alte Bernhard Ahlert. In den 20er Jahren zieht er mit Pferd und Wagen im Münsterland umher, verkauft Baumwoll- und Kurzwaren. Schließlich lässt er sich in Greven nieder. Die Geschäfte laufen gut. 1938 wird eine Filiale in Dülmen „übernommen“. Aha, denke ich, so kann man das auch sehen. Die Webseite zur Historie wird später deutlich informativer, vor allem, weil der Betrieb schon mehrfach vom Emshochwasser schwer getroffen wurde. Doch Greven ist, bezogen auf die Tüte, nicht mehr interessant. Marktstraße ist die Anschrift der Niederlassung Dülmen. Das Geschäft heißt immer noch Ahlert, wurde aber in den 90er Jahren erworben und geführt vo Ehepaar Dankbar. Die Gebrüder Eichengrün als Gründer des Modegeschäftes wurden nicht vergessen, ihnen ist in Dülmen ein Platz und ein spannendes Kunstwerk gewidmet.

File:Dülmen, Inschrift am Modehaus Ahlert -- 2015 -- 6002.jpg

Ich schreibe mit meinem Tütensprüchlein Herrn Dankbar an, der sich kurze Zeit später per Telefon meldet und gerne behilflich ist. Ja, das Design der Tüte ist ihm ein Begriff, er habe sie in einer Nummer größer vorliegen, sagt er und schickt gleich ein Foto.

Das sei eine „Erinnerungstüte“, deutlich vor seiner Zeit ausgegeben. Jedes Design habe man immer in drei oder vier Größen gehabt. Von wem es stamme? Könne er nicht mit Sicherheit sagen. Er vermute, eine Werbeagentur in Österreich. Ich wundere mich, aber Herr Dankbar erklärt, dass man sich womöglich auf einer Fachmesse getroffen und gut verstanden habe. Dann wundere ich mich erneut, denn der inzwischen nicht mehr existierende Anbieter heißt van Look. Das, finde ich, ist entschieden holländisch und in Österreich total verkehrt. Im Jahr 2014/15, erklärt Herr Dankbar, habe man ein komplettes Redesign vorgenommen, zusammen mit einem anderen Partner. Die Hausfarbe sei jetzt lila, der Slogan lautet Mode im Herzen. Auch dazu bekomme ich gleich ein Beispielfoto geschickt. Zur Tüte und weiteren Hintergründen wurden vom Chef sogar ältere und pensionierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt, die sich aber bisher noch nicht gemeldet haben.

Hübsch mit dem 💕.

Tja, sagt Herr Dankbar, die Tüten, heute aus Papier, seien ihnen gerade ausgegangen. Das ist hoffentlich ein gutes Zeichen. 😊

6 Kommentare

  1. Das Modehaus gehört zuerst den gewiss jüdischen Brüdern Eichengrün? Und meinst du mit „übernommen“ die durch die Nürnberger Gesetze legitimierte Arisierung oder Entjudung? Welche Rolle spielte Ahlert? Tauschte er seinen Pferdekarren gegen das Modehaus? Erneut erstaunt mich, was deine Tütologie zuTage fördert.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s