Tüte der Woche Nr. 96

Das Jahr 1953 hatte echt was zu bieten, verrät der entsprechende Wikipedia-Eintrag. Im Januar läuft die Erstausstrahlung der Augsburger Puppenkiste (großes Herzchenaugenemoji), im März stirbt Stalin (keinen Tag zu früh), Chrick und Watson veröffentlichen im April ihre Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA (hoffentlich war das eine gute Idee), der Koreakrieg endet (endende Kriege, immer gut), die erste Fußgängerzone Deutschlands wird in Kassel eröffnet, Einhandseglerin Ann Davison überquert als erste Frau den Atlantik.

Viel wichtiger als all das dürfte den Deutschen zu dieser Zeit der Volksaufstand in der DDR am 17. Juni gewesen sein. Und, ja, es wurde in Berlin eine schöne, große, deutsche Behörde errichtet. Doch zuerst

die Fakten:

Breite: 32 cm Höhe: 24 cm

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich. Die Tüte hat einen Klippverschluss. Es sind an den Rändern leichte Lagerschäden erkennbar. Die Grundfarbe der Tüte erstrahlt in kobaltblau, rechts oben in der Ecke hebt sich weiß das formschön gestaltete Logo ab.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist dsc_8185.jpg.

Die Tüte schließt unten ab mit dem erfreulich langen Namen der Behörde, die so ein Logo unabdingbar macht: Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, in zweiter Reihe Berlin.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist dsc_8182.jpg.

Farbig auffällig ist ein orange-gelbes R herausgehoben und mit türkisfarbenen Schatten zu einem 3-D-Objekt gemacht worden. In einer weißen Fläche wird das Blau mit dem Wort Rentenversicherung wieder aufgenommen.

So weit, so schön sonnig-schlicht. Was sollte man wohl in dieser Plastiktüte transportieren? Den persönlich in Empfang genommenen Rentenbescheid? Diese Frage muss leider unbeantwortet bleiben, denn die BfA gibt es nicht mehr, sie wurde 2005 aufgelöst und in die Nachfolgeorganisation überführt. Interessanter als die Auflösung sind die Gründe für die Installierung dieser Behörde in West-Berlin im Jahr 1953. Zunächst einmal war ihre Vorläuferin, die RfA (Reichsversicherungsanstalt) bereits 1912 in Berlin angesiedelt worden.

Ein Hans-Jörg Bonz führt über die weiteren Gründe aus

Quelle: https://www.zlb.de/fileadmin/user_upload/berlin_portal/MVGB/MVGB_1988-1991.pdf

„Die Entscheidung sollte die Verbundenheit der Bundesrepublik Deutschland mit Berlin zum Ausdruck bringen und sie noch enger gestalten. Große Erwartungen richtete man ferner auf eine Entlastung des Berliner Arbeitsmarktes, da zu Recht angenommen wurde, daß ein so großer zentraler Versicherungsträger vor allem den zahlreichen arbeitslosen Angestellten in Berlin die Chance eines Arbeitsplatzes bieten werde.“

In meiner Hoffnung, über die Gestaltung der Tüte und ihren Verwendungszweck im Netz Auskunft zu finden, gebe ich in unterschiedlichen Wortfolgen mit synonymen Begriffen Berlin, Rentenversicherung und Plastiktüte ein. Die einzigen Bilder, die erscheinen, sind solche mit wohnungs- und/oder arbeitslose Menschen, die in Mülltonnen nach Verwertbarem suchen oder ihre Habe in großen Plastiktüten transportieren. Vielleicht könnte es nicht schaden, für all diese Menschen einmal wieder eine Behörde mit gut beheizten Büroräumen zu schaffen, in der sie dann einer ruhigen und fair bezahlten Arbeit nachgehen können.

Ich versuche mal, diesen bahnbrechenden Vorschlag bei den Koalitionsgesprächen unterzubringen.

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