Tüte der Woche Nr. 99

Vor lauter Plätzchenbäckerei und Weihnachtsdekorieraktionen vernachlässige ich hier meine Blog-Pflichten. Verstärkt wird dieses Problem durch die Große Weidenlaus, die mir tausendfach im Weg war, als ich meinen Weidenzaun beschneiden wollte. Ständig ist man am Händewaschen. Damit wären wir dann beim Thema. Doch zuerst

die Fakten:

Breite: 24,5 cm.        Höhe: 30 cm.

Die Vorderseite und die Rückseite bewerben das gleiche Produkt.

Auffällig sind die Farben grün und pink im Schriftzug von sebamed, die immer noch als Markenfarben in dieser Kombination bekannt sind. Das Unternehmen wirbt ganz sachlich mit wissenschaftlicher Expertise:

In Zusammenarbeit mit Universitäts- und Hautkliniken entwickelt und erprobt

Mit einem symbolisierten Siegel, in dem auf den pH Wert 5,5 hingewiesen wird, wird der wissenschaftliche Eindruck unterstrichen.

Auf der anderen Seite sind sechs verschiedene Produkte abgebildet, die bei empfindlicher oder problematischer Haut helfen sollen.

In der kleinen Tütenfalz gibt es die üblichen Hinweise zum völlig problemlosen Verhalten von Polyaethylen in der Müllverbrennung.

Das Unternehmen,noch heute im schönen Boppard am Rhein zu finden, wurde von Dr. Heinz Maurer 1967 gegründet, der ein Firmenpatriarch der ganz alten Schule gewesen sein muss.

Aufmüpfigkeit hat er, so wie er sich präsentiert, bestimmt nicht geduldet, dabei hat ihm genau das zum Durchbruch verholfen. In einem Interview auf Welt online von 2007 erzählt er von seiner Zeit als Assistenzarzt der Universitäts-Hautklinik in Bonn. In der dermatologischen Station lagen etwa 100 Patienten mit schwersten Hautkrankheiten, die alle ein Waschverbot hatten, weil die übliche Kernseife die Symptome noch verschlimmert hätte. Der Gestank sei unerträglich gewesen, erzählt er, sogar zu Suizidversuchen sei es genommen. Maurer hatte also ganz wörtlich genommen die Nase voll, wartete ab, bis die Vorgesetzten außer Haus waren und steckte die Kranken dann in eine Badewanne mit leicht saurer Waschemulsion. Die hatte er sich von seinem Bruder Willi besorgt (Erfinder von „Rei in der Tube“). Nun sind die Chefs stinkig, die Patienten aber sauber und die Haut bleibt unbelastet. 1967 geht, nach vielen Versuchen, das erste seifenfreie Waschstück in die Produktion. Und weil Klappern zum Handwerk gehört, provoziert Maurer mit dem Spruch, die Menschheit habe sich 2000 Jahre falsch gewaschen.

Neben der weiterhin wichtigen medizinischen Komponente versucht sebamed heute massiv in den Öko-Beauty-Markt einzusteigen.

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