Tüte der Woche Nr. 100

Oh ja, erzählt meine Mutter auf Nachfrage. Das sei ein ganz besonderes Geschäft gewesen. Die Waren hochpreisig, aber auch von besonders guter Qualität. Sie habe für ihre Mutter dort mal als Geschenk eine Handtasche aus dunkelbraunem Leder gekauft. Bekannt gewesen sei das Geschäft aber für etwas anderes, nämlich für strahlende Kinderaugen, besonders in der Adventszeit. Meine Mutter schwärmt ausführlich von der schönen Gestaltung des Schaufensters, der großen Modelleisenbahn, die ihre Runden durch eine wunderschöne Schneelandschaft fuhr, den Puppenstuben und anderen Spielsachen. Ein echtes Traditionsgeschäft, im Herzen der Coesfelder doch immerhin so verankert, dass die Schließung von 30% der Befragten als Ereignis des Jahres 2012 benannt wurde und damit die zweite Stelle hinter dem Abriss einer Kirche (!) einnahm.

Aber gekauft haben sie dort eben trotzdem nicht genug, wie der letzte Geschäftsführer traurig in einem Zeitungsartikel erzählt, sondern sich im Geschäft beraten lassen um dann im Internet zu bestellen. Und auch die heute üblichen langen Schultage erschwerten das Geschäft, das früher ab den frühen Nachmittagsstunden viele kleine Schaulustige zählte, die eifrig ihre Wunschzettel befüllten.

Doch zuerst die Fakten:

Breite: 28, 5 cm Höhe: Höhe 37 cm

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich. Die Tüte zeigt eine Art Fachwerkgrundriss in Grün auf Weiß.

In dem unteren großen Fach ist links ein großes stilisiertes P als Logo, daneben der Name Peckedrath, Haus des Kindes. Ordentlich daneben die Anschrift: 4420 Coesfeld, Letter Straße 6, Postfach 1603, Telefon 3003.

Charmant wird die Tüte durch das grün-pink bzw. grün-gelb abgebildete Geschwisterpaar, das sich mit wuscheligen roten Haaren durch die Tüte spielt, mal mit Trecker, mal mit Hund, oder im Vorbeirennen beim Anziehen der Jacke.

In der Mitte der Tüte fällt ein a auf, Kennzeichen für die ardek, gerade noch noch lesen ist die Bedeutung des Akronyms: Arbeitsgemeinschaft der Kinderausstatter (sind inzwischen auch mehrfach fusioniert und arbeiten im Geschäftsfeld „family“).

Das Internet ist leider nicht übermäßig auskunftsfreudig, vor allem nicht, was das Gründehepaar Peckedrath angeht.

„Etwa sechs Wochen vor Weihnachten wurde der Postbote sehnsüchtig erwartet, brachte er doch jedes Jahr für die Kunden des Spielwarenhauses Peckedrath eine gelbe Postkarte. Diese war ein Gutschein für einen Märklin-Katalog, den man nur allzu gerne sofort im Geschäft einlöste und in dem nun rechtzeitig vor dem großen Fest alle angebotenen Modellbahnartikel eifrig studiert werden konnten. Da wurden Wünsche geweckt und hoffnungsvoll auf Zettel geschrieben „An das Christkind“. Nicht immer hatte das Christkind ein Einsehen (oder die nötigen Geldmittel…). Die wuchtige 44er mit vielen Güterwagen, das wäre doch etwas gewesen!“ Das erzählt ein Dr. Hörnemann, Mitglied des Eisenbahnmuseums und leidenschaftlicher Sammler in einem Artikel von 2014.

Karneval konnten sie auch, im Netz finde ich diese schöne Anzeige.

„Ach“, fällt meiner Mutter ein, „ich habe ja noch die Jubiläumsausgabe der Allgemeinen Zeitung“. Ein hilfreiches Werk, um alte Firmen aufzuspüren, stammt es doch vom August 1984. Und siehe da, hier finden wir Peckedrath auf S. 18 , die Fassade des Gebäudes ist wiederzuerkennen.

Kontakt hatte ich auch aufgenommen, aber daraus hat sich (bisher) leider nichts ergeben, Zeitmangel von zwei Seiten. Vielleicht gibt es aber einen Nachtrag.

Hier aber zum Abschluss wenigstens noch ein altes Foto von der weihnachtlichen Straße.

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