Tüte der Woche Nr. 101

Ja, das Tagesgeschäft will wieder aufgenommen werden und auch der inzwischen merklich geschrumpfte Tütenstapel schreit nach Beachtung. Die ganz hübschen Exemplare sind natürlich längst der Blogwelt zugänglich gemacht und so liegen hier nur noch die schnöden Alltagstüten, die scheinbar Unscheinbaren, die nebenbei Mitgenommenen. Das Jahr 2022 werde ich noch bei guter Haushaltung mit ihnen füllen können, über den Schluss und die Weiterverwendung denke ich nach, wenn es soweit ist.

Apropos gute Haushaltung. Die ist mit der Einführung von Supermärkten zwar gegenüber dem Tante-Emma-Laden unpersönlicher, aber doch einfacher geworden. Dazu hat insbesondere auch diese Kette beigetragen. Zu den Fakten:

Breite: 37,5 cm Höhe: 35 cm

Eine Besonderheit der Tüte ist der in geschwungenem Bogen herausgearbeitete Tragegriff, der sicherlich nicht die Stabilität, aber den Tragekomfort der Tüte erhöht.

Die Vorderseite und die Rückseite sind gleich, es dominieren die Farben tomatenrot und apfelgrün auf weiß.

Der Text ist übersichtlich: Zwei sehr große Druckbuchstaben HL mit einer Strichbreite von 5,5 Zentimentern, darunter das Wort Markt, ebenfalls Druckbuchstaben, aber kleiner mit einer Strichbreite von 2 Zentimetern.

Erstmal googeln. Das Internet ist großzügig.

Willi Leibbrand (was für ein Name!) dachte groß. Sein Vater hatte einen kleinen Kolonialwarenladen und später auch eine Großhandlung, die weitere Tante-Emma-Läden belieferte.

Das reichte dem Willi aber nicht. Im Jahr der Aufmüpfigkeit 1965 zog er in die große Stadt Frankfurt und eröffnete dort einen dieser modernen, neuen Selbstbedienungsläden. Mit seinem Vater muss er sich trotzdem gut verstanden haben, zumindest zeigte er Respekt für dessen Geschäftssinn und nannte sein Unternehmen HL nach den Initialen seines Vaters Hugo Leibbrand. Willi war ein Fan und Förderer der Expansion und eröffnete bereits 1970 die 70. Filiale. Auch vor der sogenannten „grünen Wiese“, auf der bald die großen Discounter und Verbrauchermärkte entstehen sollten, hatte er keine Scheu. Willi Leibbrand gründete Penny, miniMAL und toom – was für ein wirtschaftliches Schwergewicht. Dass sein Name mir und vielleicht auch vielen anderen bislang unbekannt war, mag auch daran gelegen haben, dass er Zeit seines Lebens sehr viel Wert auf Privatsphäre legte und als sehr medienscheu galt.

Für die Expansionen gab es einen großen Kapitalbedarf, weswegen Leibbrand einen Geschäftspartner suchte und fand, REWE erwarb 1972 50 Prozent seines Unternehmens. Das Unternehmen fiel in eine Art Kaufrausch, viele kleinere Ketten wurden in die HL-Familie einverleibt, anderen wurde der Name gelassen, wie zum Beispiel Otto Mess und Hill. Zur Leibbrand-Gruppe gehörten 1988 ganze 8 Supermarktketten.

Mal was Privates: Willi Leibbrand war verheiratet mit Heidrun, er starb im Jahre – nach Aussage der Presse überraschend – 1993 im Alter von 62 Jahren, 5 Jahre, nachdem REWE die komplette Leibbrand-Gruppe geschluckt hatte. Da ist aber trotzdem einiges übrig geblieben, wie man lesen kann. Heidrun und ein Rechtsanwalt verwalten ein aus Unternehmen und Immobilienbesitz bestehendes Erbe mit zusammen 500 bis 600 Millionen DM Umsatz im Jahr. Es setzt sich zusammen aus dem Hotel Schloß Reinhartshausen nebst Weingut, der Ziegler Edelobstbrennerei in Freudenberg am Main…..

Moment, Schloss? Da geh ich mal auf die Webseite…

Foyer am Schlosshof

Foyer am Schlosshof

„Im Jahr 1987 erwarb Willi Leibbrand (1932–1993) Schloss Reinhartshausen und ließ es bis 1991 als Hotel und Weingut grundlegend restaurieren. Das Hotel wurde um den Westflügel erweitert und der Mitteltrakt wurde aufgestockt. Ein neuer hochwassersicherer Weinkeller und ein neues Kellereigebäude entstand sowie ein Aussiedlerhof am Ende der Eberbacher Straße in Erbach. Die Weinberge von Tillmanns’ Erben wurden hinzuerworben.“ Jede Menge Sterneköchen waren hier tätig, eine Pfälzer Familie wurde durch den Erwerb der Güter zum größten privaten Weinproduzenten und zur Zeit nutzt ein französisches Unternehmen das Schloss als Tagungshotel.

Und das mit der Benennung nach dem Vater scheint noch immer in der Tradition der Familie zu liegen, finde ich doch folgende Firma mit nicht näher spezifizierter Tätigkeit: Harald und Sandra Leibbrand „Willi Leibbrand Erben“, es handelt sich dabei um die Kinder.

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