Gerettetes

Früher war ich Sperrmüll-Fan. Was man da alles finden konnte! Mein Mann rettete vor Jahren einen großen Stapel wunderschöner Speiseteller mit Goldrand vor der Zerstörung. Gerne nutzen wir, was anderen nicht mehr modern erscheint, zum Beispiel eine Brotmaschine mit Drehkurbel statt Stecker. Ja, wir stehen auf Analoges, auch wenn ich diese Geschichte jetzt im Digitalen verbreite. Und es hat was mit dem Alter zu tun, aber auch mit meiner festen Überzeugung, dass eine komplette Digitalisierung des Unterrichts geradewegs ins Verderben führt. Da kam uns dieser Film gerade recht.

KINO-UPDATE. Das Intro zeigt kurz den überfallartigen Erfolg des Smartphones und anderer digitaler Dienste. Doch dann steht schon die Hauptfigur auf den Plan : Florian Kaps. Der Mann ist Experte für die Augenmuskulatur von Spinnen, genannt wird er Doc. 2008 reiste er von Wien hier in die Nachbarschaft nach Enschede und kaufte mit wenigen anderen Spinnern die letzte Polaroidfabrik, um sie zu retten. Denn das Echte, das Einzigartige, das Analoge sollte bewahrt werden. Impossible, diese Fabrik wieder ans Laufen zu bringen, bescheinigte man dem Ehemann und Vater von drei Kindern. Daher nannte er die Firma Impossible. Warum sie heute wieder Polaroid heißt und was Florian Kaps aktuell unmögliches tut, ohne Geld, aber mit viel Enthusiasmus, das erzählt Dokumentarfilmer Jens Meurer liebevoll, auch mit Humor. AN IMPOSSIBLE PROJECT erklärt 99 Minuten lang, warum die analoge Welt so wichtig ist. Und warum manche Männer besonders nervenstarke Frauen brauchen 😉

7 Kommentare

  1. Ich bin so ein Analogfan und Technikskeptiker, ich schneide das Brot mit dem Messer. 🙂

    Ob das nur am Alter liegt, weiß ich nicht, auch wenn es natürlich eine Korrelation gibt. Aber ich erlebe auch Gleichaltrige, also Menschen ab 45, die definitiv noch ohne Internet aufgewachsen sind, aber jetzt mit ihrem Handy praktisch organisch verbunden sind, so süchtig sind, dass ihre Beziehungen darüber kaputt gehen, und die sich ohne Google Maps in der Stadt nicht mehr zurechtfinden, die sie schon vor 30 Jahren als Kinder durchstreift haben.
    Ich war mal mit so einer Freundin in einer Gegend unterwegs, wo wir uns beide nicht auskannten, und hielt vor einer Kneipe, weil ich Hunger hatte. Sie checkte Google Maps und fand die Kneipe nicht. Wir standen vor der Burgerbude, aber sie glaubte nicht, dass die existierte. Es war absolut surreal. Zum Glück konnten wir die Landessprache nicht, sonst hätte sie den Burgermann zugetextet, dass er sich unbedingt bei Google registrieren muss, weil ihn sonst angeblich niemand findet.
    Oder beim Trampen merke ich immer wieder, dass sich Leute selbst auf den regelmäßig von ihnen befahrenen Strecken nicht mehr auskennen. Ich glaube echt, manche würden ohne Navigationsgerät nicht mehr nach Hause finden.

    Gefällt 3 Personen

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